Wie dem sterbenden Weisen, indem des Todes Gefühl ihm Jede Nerve beschleicht, die festlichen Augenblicke Theurer werden, als Tage vor dem; denn der Richter gebietet Nun den lezten Gehorsam, und Tugend, welche, gebohren
Noch aus brechendem Herzen, ihn auf erhabnere Stufen Seiner Vollendung erhebt: er zählt die bessern Minuten Tiefanbetend, und krönt sie mit Thaten, mit Thaten der Seele Die, durch ewigen Lohn, der schauende Richter begnadigt.
Also wurden die Stunden des grossen, mystischen Sabbaths Festlicher, schauervoller, und Gott selbst theurer, ie näher Zum Altare das Opfer hinzutrat, ie mehr der Versöhner Eilte, zu bluten, und: Werde! der neuen Schöpfung zu rufen
Laut am Kreuz; in die Mitternacht dann sein blutendes Antliz Hinzuneigen. … Eloa, vom Werthe der heiligen Stunden Hingerissen, (sie waren ihm mehr, als die jauchzenden Stunden Seiner frühen Geburt!) so ergriffen, hüllt’ er sein Antliz
Gegen Gabriel auf, und sprach zu dem göttlichen Freunde: Sahst du ihn leiden? Ich bebe noch! Gabriel, sahst du ihn leiden? Keine Namen im Himmel, und keine Sprache der Engel Nennt mir, was ich empfand! Du hast ihn selber gesehen!
Und … was wird er noch leiden! An iedem Augenblick hangen Ewigkeiten! … Er schwieg. Und Gabriel sprach: Ich vertiefte Mich Jahrtausende schon, das künftige Wunder zu lernen, Es nur dunkel zu lernen, nicht auszuforschen; Doch irrt ich!
Laß uns schweigen! Es ist rund um uns heilig! Zwar Gräber Liegen auch um uns her; doch werden dort Engel erwachen! Schlummert im Frieden! … Aber o sieh, wer drüben im Dunkeln Wild mit Flammen heraufzieht. Euch sandte der Abgrund, Empörer!
Welch ein niedriger Haufen! Allein der Schöpfer des Sandkorns Und der Sonnen, der Ewige herrscht, durch den Wurm, und den Seraph! Und ihr Führer, ihr Führer! Eloa. So wird er nicht wandeln, Wenn die Posaune den Staub aus jenen Hügeln hervorruft,
Die vor dem Richter ihn dekten, dann wirst du so frölich nicht wandeln, Du Verräther! Er sprachs. Der Haufen nahte sich wütend, Trug die Flammen empor, und irrte mit suchendem Auge Durchs Labyrinth der Bäum’ und der Nacht. Jhn sahe der Gottmensch,
Nun erhub sich die dunkelste Nacht, die über ihn herging, Wolkigt empor, und, als sie sich hub, entflossen ihr Schauer. Einer ergrif den Verräther. Er trozte der mächtigen Warnung, Und so rüstet’ er sich: Wo ist er? Die Lieblinge sahn ihn,
Wie sie sagen, auf Tabor in Himmelswolken gekleidet, Aber in Banden noch nicht! So sollen sie itzo ihn sehen, Und, sich Hütten der Freude zu baun, vergessen! Doch bebst du, Schauerndes Herz! Kann Kühle der Nacht auch Männer erschüttern?
Schweig Empörer! Bald ist es gethan! Dann will ich mir Hütten, Nicht im Traume nur, baun! So dacht er, und eilte von neuem. Als der Gottmensch die Kommenden sah, da betet’ er also In sich selber: Es ist weit, weit von den ewigen Hütten
Bis zu diesen Sündern herunter. O Weg’ im Staube, Die ich wandle. Doch will ich sie wandeln! Sie werden einst glänzen, Wenn, in diesen Tiefen, die Auferstehung erwacht ist, Und das Weltgericht ganz es enthüllt, warum sie Gott ging.
Judas Jschariot führte den Haufen. Der Priester Befehl war: Männer zu wafnen, und Jesum bey seinen Gräbern zu suchen, Jhn zu binden, und vor die Versammlung zu führen. Es wuste Judas den Ort des stillen Gebets und der nächtlichen Sorge
Für die Menschen. Er hatte der Schaar ein Zeichen gegeben; Welchen ich küsse, der ists! Allein noch erbarmt des Verräthers Sich die Nacht, und läßt ihm noch nicht den entsetzlichen Kuß zu. Aber nicht lange, so fiel mit ungeduldigem Grimme
Auf die schlafende Jünger die Schaar. Da ging der Erlöser Gegen die Sünder, und sprach, mit seiner Hoheit: Wen sucht ihr? Und sie ergrimmten, und riefen, und schwungen die bebenden Fackeln: Jesum, den Nazaräer! Nun waren die übrigen Jünger
Alle gekommen; nun schauten auf ihn die geflohenen Engel. Und, mit göttlicher Ruh, als wenn er dem Wurme, zu sterben, Oder, dem kommenden Meere, vor ihm zu schweigen, geböte, Sprach der Meßias: Ich bins! des Sohnes Allmacht ergrif sie,
Und sie sanken betäubt, vor seiner Stimme, darnieder. Judas sank mit ihnen. So liegen im Folde des Treffens Todte, so wälzt sich unter den Todten der Grimmigsten einer, Wenn, aus der stillern Mitte des Kriegs, der denkende Feldherr
Um sich herum, (der Richter gebots ihm!) Verderben versendet. Aber izt war die Betäubung vorüber: izt hub der Verräther Von der Erde sich auf. Nun war die schrecklichste Stunde Seiner Erschaffung, und er ganz nah dem Gerichte, gekommen.
Ueber ihm rauschte mit nächtlichem Flügel der Engel des Todes. Mit verborgnem Grimme, mit aufgeheiterter Mine, Trat er zu dem Meßias, und küßt ihn! … Jzt hätt’ ers vollendet! Und die schwärzste der Thaten entschlich, wie ein Schatten, zur Hölle.
Aber der Gottmensch sah dem Verräther mitleidig ins Antliz: Juda! und du verräthst, durch einen Kuß, den Meßias? Ach mein Freund, wärst du nicht gekommen! So sagte der Beste Unter den Menschen, und gab sich der Schaar, sich binden zu lassen.
Petrus sah es. Den Kühneren wekte der Anblick, er riß sich Durch die Jünger hervor, verwundet’ im mutigen Angrif Einen der Schaar. Der Menschenfreund heilt die Wunde des Mannes. Schaut auf Petrum herüber, und sagt: Sey ruhig, mein Jünger.
Bät ich meinen Vater um Schutz; es würden vom Himmel Mächtige Legionen erscheinen, dem Sohne zu dienen. Aber wie würden alsdann der Propheten Worte vollendet? Und zur Schaar, die ihn band: Jhr seyd gerüstet gekommen,
Mich zu fahen, als wär ich ein Mörder, der Wütenden Einer, Die, dem Tode bestimmt, und, durch der Unmenschlichkeit Thaten, Ueber andre Sünder erhöht sind! Ich bin ja im Tempel Jmmer um euch gewesen! Ich hab euch, die Wege des Lebens
Und des Todes gelehrt; und ihr ließt ruhig mich lehren! Aber eure Stund ist gekommen, der Finsterniß Werke Zu vollenden! … Er schwieg, und war am Bache der Cedern. Unterdeß stand im hohen Palast der Priester Versammlung
Wie auf Wogen der zweifelnden Hofnung. Jhr sorgendes Murmeln Stieg von der Höhe des innersten Saals, die Marmorgelender Zum vielhörenden Ohre des fürchtenden Pöbels hinunter. Und der staunte mit starrendem Blick: sprach von dem Propheten
Zitterndes Lob, und stammelnde Flüche; vergaß der Bewundrung Und der goldnen Leuchter, die, von den Säulen her, flammten. Aber die Priester besprachen sich unter einander! Die Boten Kommen noch nicht! Wo bleiben die Boten? Vielleicht, daß sie Judas
Und den Haufen verfehlten? Vielleicht wird der schwarze Verräther Auch zum Verräther an uns? Ach, vielleicht verleitet, wie vormals, Durch ein schreckendes Blendwerk der Nazaräer die Männer! Also besprachen sie sich. Da kam ein Bote! Die Haare
Flogen ihm, und die Wange war bleich. Erkaltender Schweiß lief Ueber sein Antliz. Er rang die bebenden Hände. So sprach er: Hoherpriester! wir kamen dahin, und fanden ihn endlich Ueber dem Bache, nicht fern von den Gräbern. Die graunvollen Gräber
Schreckten uns nicht; allein es hingen schwärzere Wolken, Als ein Mensch ie gesehn hat, am ganzen Himmel herunter. Und doch drangen die Männer hinein. Ich blieb in der Ferne. Aber ich sah den Propheten! Da liefen (ich kanns nicht erzählen,
Wie es geschah,) da liefen mir Schauer durch alle Gebeine! Doch sie erkannten ihn nicht, so nah er auch dastund, und drangen Auf die Männer um ihn. Da sprach er gewaltig: Wen sucht ihr? Unsre Männer fürchteten nichts, und riefen mit Grimme:
Jesum, den Nazaräer? Da sprach er, (noch hör ichs, noch sinken Alle Gebeine mir hin!) er rief mit der Stimme des Todes Gegen die Männer: Ich bins! So sprach die Stimme. Sie stürzten Auf ihr Angesicht hin! Sie liegen todt da! Nur ich bin
Jhm entronnen, damit ich die Botschaft des Todes euch brächte! Und die Priester hörten den Boten die Worte des Schreckens Sagen, und standen entfärbt, und blieben starr, wie ein Fels steht, Stehn. Nur Philo vermag, ununterbrochen von Schrecken,
Diese Worte zu zürnen: Du bist sein Schüler, Verwegner! Oder dich täuschte die bildende Nacht! Geöfnete Gräber Sandten dir Schwindel, und Todte. Die Todten sahst du! Die Männer Welche wir sandten, die leben, und fallen vor Worten nicht nieder!
Als er noch redte, da kam ein andrer Bote: Wir haben Viel gelitten! Wir sind vor ihm zur Erde gesunken! Denn sein Blick war entsezlich, und Tod in des Redenden Stimme. Aber dennoch führen wir ihn gebunden. Er gab uns
Selbst die Hände, sich binden zu lassen. Sie führen ihn bebend, Wissen nicht, ob sie von neuem gebietende Worte des Schreckens Hören werden. Allein er geht mit geduldiger Stille, Und ist schon in Jerusalems Mauer. So sagte der Bote.
Und der dritte kam an, und rief: Gott segne die Väter! Aber so müssen sie alle verderben, die wider euch aufstehn, Alle Feinde des Herrn, wie der Galiläer verderben! Denn wir führen ihn her mit Banden gebunden, die Worte
Nicht auflösen, noch lächelnde Minen. Jhn haben die Seinen Alle verlassen. Er naht dem Palast. Gott gebe sein Blut euch! Als er ausgeredt hatte, trat Satan in die Versammlung, Und, die Freude der Hölle, mit ihm. Sie fasset die Priester
Schwindelnd; umflattert ihr Auge mit Bildern quellender Wunden Und des bleichen, kommenden Todes; umströmt, mit der Stimme Seiner Qualen, ihr Ohr. Nun verstummt er ewig, und über Seinen Gebeinen empor erhebt der Heiligen Fuß sich!
Lang ergrif sie der Taumel. Allein noch blieb der Prophet aus. Und sie wüteten sehr, und sandten zum zweitenmal Boten. Philo gieng mit den Boten. Es hatte die Schaar den Meßias, Auf dem Wege, zu Hannas, dem Hohenpriester geführet.
Denn es war der Greis, in der Nacht schwerduftenden Stunden, Aufgestanden, zu sehn den Mann, der Juda verwirrte! Und Johannes folgte von fern. Der friedsame Schlummer War ihm entflohn vom Auge, der Wehmut Kummer bedekt’ es,
Dekte die bleichere Wange. Zuletzt (Er kannte den Priester, Daß er kein Wütrich, wie Kaiphas, war.) bezwang er die Wehmut Seines Herzens, und ging in den Richtsaal, und sah den Meßias, Wie er vor Hannas dastand. Der Hohepriester befragt’ ihn:
Kaiphas wird dich richten! O wärst du so schuldlos, als was du Thatest, ist ruchtbar geworden; so würden die Völker der Erde, So würd Abrahams Gott und seiner Kinder dich segnen! Sag nun selber, was hast du gelehrt? Was hattst du für Jünger?
Lehrtest du Moses Gesez? Und thatst du es? Thatens die Jünger? Hannas sprachs, und bewunderte Jesum, mit welcher Gebehrde Eines Propheten, er dastand! mit welcher bescheidneren Hoheit, Unentheiligt vom Stolze! Der Gottmensch würdigt ihn, also
Zu erwiedern: Ich lehrt’ im Tempel, frey vor dem Volke, Frey vor den Lehrern im Volk! Du fragst mich! Frage die Hörer! Als er noch sprach, drang Philo herein. Da fuhr die Versammlung Ungestüm auf; da that ein Knecht, mit knechtischer Seele,
Eine That, die niedrig genung war, Unmenschlichkeiten Zu verkündigen. Philo gebot, den Empörer zu nehmen, Jhn dem Todesurtheil entgegen zu führen. Sie thatens. Als ihn Johannes in Philo Gewalt sah, dekt’ ihm des Todes
Blässe die Wang’, und Dunkel sein Auge; da bebt’ er; da brach ihm In der Wehmut sein Herz! Zuletzt, da er aus dem Palaste Zitterte, sieht er von fern die wehenden Fackeln: Ich folge, Nein, ich folge dir nicht, ich bebe dir nach, o du Bester
Unter den Menschen! Ists aber in Gottes Rathe beschlossen, Must du sterben; so laß, den meine Seele geliebt hat, Den ich liebe, mit viel mehr Liebe, wie Liebe der Brüder, Laß mich mit dir, du Heiligster, sterben! Nur daß nicht mein Auge
Deine brechenden Augen, nicht deinen Todesschweiß, sehe! Ich des Verstummenden Segen, den lezten, lezten, nicht höre! Würger, wo bin ich? Ist hier kein Retter? kein Retter auf Erden? Keiner im Himmel? Und schlummert ihr auch, die über ihm saugen,
Als sie dem Tode, (das dachtest du nicht, du liebende Mutter!) Diesem entsezlichen Tod ihn gebahr! … Du nur bist Retter, Du bist Helfer allein, du der Todten und Lebenden Helfer! Vater der Menschen, erbarme dich meiner, und laß ihn nicht sterben,
Laß ihn nicht sterben, den Besten von Adams Kindern! Den Würgern, Gieb den grausamen Würgern ein Herz, das Menschlichkeit fühle?) Ach, ich seh ihn nicht mehr! die hohen Flammen verschwinden! Nun, nun richten sie ihn! Daß ihre grimmige Seele
Schaure beym Anblick der leidenden Tugend! sich einmal, nur einmal, Einmal in ihrem Leben, das kommende Weltgericht denke! Doch wer wandelt im Dunkeln herauf? Ists Petrus? vernahm ers, Wie sie zum Tod ihn verdammten? So schnell! Nun steht er! Wen sah ich?
Keines Fußtritt hör ich nicht mehr! Wie ist es hier öde! Wie so stumm die entsezliche Nacht! Doch die Stille verliert sich. Welche Mengen stürmen daher! Ach, sie eilen, und reissen Jhn in der deckenden Nacht zum Tode, damit ihn des Volkes
Menschlichkeit nicht errette! damit an rinnenden Steinen, Oder, herunter am triefenden Schwerte, nur Engel sein Blut sehn! Ach, erbarme dich meiner! Erbarme dich meiner, und laß ihn, Vater des Mitleids und deiner Erschaffnen, und laß ihn nicht sterben!
Also dacht’ er, und sprachs in gebrochnen Worten, und wankte Gegen des Hohenpriesters Palast, und blieb in der Nacht stehn. Aber der Führer der Schaar, die Jesum begleitete, Philo Riß sich wütend voran, eilt’ in die Versammlung, und alle
Sahns an seinem Triumph, und dem hohen, flammenden Auge, Daß der Todtenerwecker gebunden, und dicht am Palast sey! Und sie hatten nicht Zeit, daß sie Philo jauchzten. Der Gottmensch Trat herein. Sie sahn den Kommenden, trauten dem Anblick
Kaum die Wirklichkeit zu, und bebten vor Wut und Entzückung. Aber er trat die Stufen herauf, und stand vor dem Richtstul. Alle Hoheit, so gar die Hoheit des sterblichen Weisen Hatt’ er abgelegt; war nur ruhig, als säh er den Abfall
Einer Quelle vor sich, und dächte nur sanfte Gedanken, Nach erhabnern an Gott, die Augenblicke, zu ruhen. Von dem göttlichen Ernst von dem nur hatt’ er noch Züge, Leise Züge behalten. Doch konnte kein Engel sie haben,
Wollt’ er sie haben. Allein auch nur ein Engel vermochte Dieser Göttlichkeit Minen, und ihren Geist zu bemerken. Also stand er. Philo und Kaiphas hefteten grimmig Jhren Blick auf die Erde. Dem gab der Richtstul das Vorrecht,
Erst zu reden, jenem der Eifer. Noch schwiegen sie beyde. Aber im Seitenpalast, zog sich, von einsamen Lampen Halb durchdämmert, ein zirkelnder Gang zum Richtsaal hinüber. Dort an ein Marmorgelender gebükt, stand unter den Frauen,
Portia, jugendlich schön, das Weib Pilatus des Römers. Aber ihr Geist war nicht jung. Die Blume blühte, mit Früchten Wie die Mutter der Gracchen, die ausgearteten Römer Zu bereichern. Allein im ernsten Rathe der Wächter
War, der Untergang Roms, und kein Erretter, beschlossen. Hingerissen von der Begier, den grossen Propheten Endlich zu sehn, war, nur von wenigen Sclaven begleitet, Portia eilend gekommen. Sie hatte dießmal, die Würde
Einer herrschenden Römerinn, ieden Zweifel der Hoheit, Leicht vergessen! Es leitete sie des Ewigen Vorsicht! Und sie stand, und sah ihn, der Todte weckte; des Priestets Mutigen Haß noch mutiger trug; entschlossen genung war,
Unter einem so niedrigen Volk unerkannt, unbewundert, Groß zu handeln. Sie sah den erhabnen Mann, mit Bewundrung, Heiß von Erwartung, und froh, daß er vor seinen Verfolgern, Und, des Todesurtheils gezüktem Schwerte, so ruhig
Dastand. Allein so kannt ihn nicht Philo. Es sagte der Heuchler: Bringt ihn näher, und bindet ihn fester. Doch eh wir ihn richten, Hebt auch heilige Hände zu Gott, daß er endlich sein Urtheil Ausgesprochen, und uns nicht länger durch Schweigen geprüft hat!
Höre ferner der Deinen Gebet! So müssen sie alle, Die sich empören, verderben, und keiner müsse die Stäte, Wo sie standen, bemerken, und keiner ihrer gedenken, Ausser, wo bey entfleischten Gebeinen die Schädel der Todten
Liegen, und wo das Blut der Empörer der Hügel hinabtrank, Daß er dampfte! Ja Dank! Dank! laute festliche Wonne Bey den Altären! Und Jsrael soll ein Jubelgesang seyn; Du wirst bluten! Bisher schloß Juda die Augen, und sahe!
Hielt sein Ohr zu, und hörte! Doch ist der schwindelnde Taumel Endlich vorübergerauscht. Sie sehn nun, und hören, was da ist. Den, so vor Abraham war, mit Ketten gebunden! Zwar oftmals Sahn sie ihn schon, und warfen, auf Augenblicke, des Jrrthums
Eiserne Bande von sich, mit freyem, männlichen Arme Heilige Steine zu fassen, den Lästrer Gottes zu tödten; Aber sie liessen von neuem sich täuschen. Doch heut ist das Ende Jhrer Verblendung, und deines Betrugs, Empörer gekommen!
Welch ein kleiner Haufen des Volks auch dasteht; es werden Aus den Wenigen doch sehr viele wider dich zeugen, Wenn wir sie rufen. Das wird der Hohepriester gebieten. Aber ich klage dich an, und nehme Judäa zum Zeugen,
Himmel und Erde zum Richter: Du bist ein Empörer! Du hast dich Selbst zum Gotte gemacht, du, der in der Krippe geweint hat! Schläfer wektest du auf, und keine Todte! Doch Mütter, Selbst die Mütter und Schwestern, die sahn die Sterbenden sterben!
Auf, bald trift die Reih dich! Erwecke dich selber! doch werden Männer im Tode dich sehn! Der soll so leise nicht schlafen. Lieg dann bey den Erwürgten, die Gott verworfen hat! Schlaf dort, Dort den eisernen Schlaf, dort, wo die kommende Sonne
Und der wandelnde Mond den Dampf der Verwesungen auftrinkt, Bis der Tod reift, und von Gebeinen Golgatha weiß wird! Also liege! ja, so! Und, ist noch irgend ein größrer, Heisserer Fluch, der siebenfältig Verwünschungen hinströmt,
Den die Mitternacht hört, der Gräber Heulen mit ausspricht, Dieser treffe … Hier starrte die schwellende Lippe dem Lästrer, Und, sein Antliz herunter, ergoß sich Todesblässe. Denn in dem Augenblicke der Nacht, in dem er der Flüche
Schrecklichsten auszusprechen begann, und umsonst sein Gewissen Jhm empor schlug, er nun selbst nicht den Allmächtigen scheute, Wandt’ ein Todesengel, (der war sein Engel,) er wandte Seinen Blick, den Verderber, auf Philo, und trat vor den Sünder:
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