Komm, die meine Seele mir oft, mit sanfterer Wehmut, Und mit ihrer großen Erwartungen Schauer erfüllte, Komm, Betrachtung der künftigen Welt. Die künftige Welt war Auf der Erde, da das, wovon ich singe, geschahe.
Denn die Todten erschienen den ersten Christen, zum Himmel Sie zu berufen, zu weihn die Brüder zum ewigen Leben. Klein war nur die selige Schaar; doch aus dieser Wurzel Wuchs, ein Schatten verbreitet in allen Himmeln, ein Baum auf,
Voll von dichten Zweigen: Die Hundert und vierzig Tausend, Alle Versöhnte! Das Heer ohne Zahl am krystallenen Meere, Alle Versöhnte! Die Schaar der Hundert und vierzig Tausend Sangen, als sie der Himmlische sah, der bis ans Gericht blieb
Ueber das Schauthal, sangen das neue Lied vor dem Throne, Welches keiner zu lernen vermag. Sie waren erkaufte Von der Erde, von keiner Liebe des Eiteln beflecket, Folger des Lamms, wohin es auch ging, die Erstlinge Gottes,
Und des Lamms, unsträflich vor Gott, in Worten, und Thaten! Siehe das Heer ohne Zahl, da der Zeuge des Herrn es erblickte, Rief, wie es war, aus allen Geschlechten, und Sprachen, und Völkern, An dem Throne versammelt, in weißem Gewand’, in den Händen
Palmen, es rief mit der Stimme des lauten Jubels: Dem Herrscher Auf dem Throne sey Heil! Heil unserm Gott, und dem Lamme! Und da fielen aufs Antlitz die Engel, und Aeltesten nieder, Und da rauschte das Meer, da wehten die Palmen der Sieger.
Denn gen Himmel hinauf, aus großer Trübsal gen Himmel, Sind sie gekommen, sie haben gewaschen ihre Gewande, Hell sie gemacht im Blute des Lamms, die seligen Dulder! Aber itzt war die kleinere Schaar, die Wurzel des Baumes,
Noch nicht einmal berufen. Sie schliefen noch unter den Hüllen Jhres Gesetzes. Es sollten zum erstenmal sie Erstandne Wecken, dann Kephas in seiner Rede der Salbung von Christus! Und zu deren Gemeine, die selig wurden, hinzuthun
Sie dreytausend auf Einmal. Noch schlummerten selbst, die von ihnen Sollten Erstlinge werden, verstanden noch nichts von dem neuen Ewigen Liede der Wonne; Noch schliefen die anderen Sieger, Ohne Palmen, und hellgemachte Kleider im Blute.
Ach! noch schlafen wir Letzten der Erde! Werden wir Armen Auch erwachen vom Schlafe, damit uns Christus erleuchte? Siehe! das Werk des Erstandnen begann. Die verklärten Gerechten Schwebten Tabor hinab, zu erscheinen den künftigen Christen.
Aber eh noch der Erscheinungen Schaar nach Salem hinabstieg, Sammelt’ um sich sie herum der Auferstandnen, der Todten, Und der Sterblichen Vater, und sprach: Nun sind sie gekommen, Freut euch, Kinder, nun sind des Heiles Stunden gekommen,
Da wir gewürdiget werden, die ersten Winke zu winken, Nach dem schmalen Wege! den ersten Durst zu entzünden, Nach der Quelle des Lebens! Der Stifter der himmlischen Kindschaft Hat es eurem Gefühl, und Erforschungen überlassen
Auszuwählen, wie es euch dünkt. Jhr wählet, die Kinder Werden, und Erben! ihr wählt der Vorbereitungen Weise. Doch nicht allein, die ihr der hohen Erscheinungen würdigt, Sind zu dem Heile berufen. Und wenn ihr beriefet, die Gott nicht
Auch berufet; so würden der Thronen Engel euch warnen. Eilt denn, genießt den Wonnegedanken, euch Brüder zu wählen Zu dem Erbe des Lichts! Ich seh, die werdet ihr wählen, Welch’ in ihrer Finsterniß schon, die Gnaden empfingen,
Daß sie, wiewohl mit Straucheln, den Wandel im Himmel begangen; Und ihr werdet sie kennen, die diese Gnaden empfingen. Tiefsinn war in der Seele des Knabens geblieben, den Jesus Unter die Hörer gestellt, und gesegnet hatte. Nephthoa
Nach der Quelle genannt an Ephrons Gränzengebirge, Liebte minder seitdem die Gespielen, und Einsamkeit war ihm Süßer, als alle Freuden der frohen Jahre geworden. Blüte trug er, und Frucht, in beginnendem Lenze des Lebens
Reif wie Jünglinge, voll Verstandes, und göttlicher Gnade. Sieben Jahr’ entflohen ihm erst, und er hatte das letzte Betend verlängert, ein Jahr voll reicher Saaten, unkennbar Denen, die kleine Dinge, verwebt in das Eitle, nur dachten;
Aber mit Segen von Gott zu der Ewigkeit Erndte gesegnet. Auch in dem achten säte Nephthoa der Erndte. Das hatt’ er Mit dem strahlenden Tage der Auferstehung begonnen. Und er betete jetzt in der Abenddämmrung, gesunken
Auf sein Knie in den Staub, in einem Winkel des Hauses, Wo er wußte, daß keiner ihn fände. So flehte der Knabe: Herr, du hörst mich gewiß, ob ich es gleich nicht erfahre, Daß du mich hörst. Stets komm ich von neuem, und flehe von neuem,
Daß du mich hören mögest, o aller Kinder im Himmel Vater, und aller auf Erden! Vor deinem leuchtenden Throne Knien wir Alle: wir Armen auf Erden, denen ihr Erbe Thränen sind, wir knien in Staube; die ausgeweinet
Haben, auf schimmernden Wolken; und jene, die niemals weinten, In den Strahlen der Sterne, die ungefallnen Engel. Alle flehen von dir mehr Seligkeit; aber mit Ruhe Flehen sie jene dort oben. Denn sie labt Fülle der Freuden.
Wir, wir flehen weinend dich an, um Erlösung vom Bösen, Ach Erlösung vom Elend, und Segen zum ewigen Leben. Unvollendet kann der nicht bleiben, den über mich aussprach Dein erhabner Prophet in jener seligsten Stunde
Meines Lebens, als er in die große Versammlung mich stellte. Würd’ er vollendet, wenn er vergängliche Dinge nur gäbe? Nur Versorgung des Lebens, das schnell, wie die Blume verblühet! Nein, du steigest hinauf in die Ewigkeit, himmlischer Segen
Dessen, den Gott nicht nur, die Kranken zu heilen, gesandt hat; Auch zu heilen die Sünder, hat ihn der Erbarmer gesendet. Ach ich kenn’ ihn noch nicht den Segen zum ewigen Leben, Weis es noch nicht, wie mich, der einst mich segnete, leiten,
Welchen Weg er zu gehn, mir gebieten wird. Aber ich will mich Doch auf Gott verlassen. Dein Wille, nicht meiner, geschehe! Ach, noch ist mir kein Tag in meiner Seele geworden Jener großen Erkenntniß des Ewigen! Aber ich will mich
Dennoch verlassen auf dich! Herr, Herr dein Wille geschehe! Liessest du leuchten auf mich, Gott, deines Antlitzes Freuden; O so trüg’ ich leichter die Last des Jrrens im Dunkeln: Aber ich will mich dennoch auf dich, auf dich verlassen!
Ach das kurze, das fliehende Leben, die Knospe, die aufblüht, Wegzuwelken! Wenn welkt, mit wenig Erde beworfen, Und verborgen zu werden, auch meins? Was treibt mich vor Unruh, Jmmer Erkenntniß, und Freude, durch Gott zu suchen? Ich sollte
Still erwarten, bis ich mich niedersenkte, zu welken, Und verpflanzt ins Gefilde des Lichts und der Ruhe zu werden; Hier ist doch kein Erkenntniß, und keine Rettung ins Helle, Aus der deckenden Nacht, die unsre Seelen umhüllet.
Sind sie nicht zahllos die Dinge, die ich nicht kenne? Sie werden Noch unzählbarer seyn, wenn erst mein Geist sich erweitert, Und ins Höhere schwingt, von reiferem Alter erhoben. Doch sey ruhig, mein Herz! Den Durst nach seiner Erkenntniß
Stillet gewiß, der dich hat mit diesem Durste geschaffen. Wenn ich, vergönnst du es mir, der mich zu dem Ernste geweckt hat, Und dem Blicke des Knabens nur sanftes Lächeln gelassen? Wenn ich zurück zu meinen Gespielen kehrte? mit ihnen
Blühte, wie Rosen? mit ihnen von leichten Dingen nur spräche? Nicht von der künftigen Welt, und jener großen Erkenntniß? Und so wartete, bis mit Weisheit von oben der Vater Alles Lichts mich erleuchtete? Jesus fand mich ja also,
Da er mich in die Versammlungen rief, und segnend mich aufnahm. Also betet Nephthoa. Sein Engel, der neben ihm schwebte, Hört’ ihn beten, und schrieb mit unauslöschlichen Zügen, Flammenschrift in sein Buch, ein Buch des Lebens, das alles,
Was mit Gnade vernahm der große Hörer des Himmels In des Knabens Gebet. Indem die schimmernde Schrift flog Mit der Hand des Unsterblichen, kam Benoni, und nahte Sich dem Beter, und ihm. Willst du ihm erscheinen, Benoni?
Rief mit Entzückung der Engel, und reicht’ ihm das wehende Buch hin. Und der Erstandne las. Der Jmmerunsterbliche hält sich In der Freude nicht mehr, und umarmt den himmlischen Jüngling. Ach Erhörung, Erhörung, von Gottes Throne gesendet,
Rief der freudige Seraph, du bist schon heute gekommen! Und Benoni nahete mehr. Noch kniete Nephthoa Und begann von neuem zu beten. Mit herzlicher Frende, Junigem, ewigem Dank seyst du, o Vater, gepriesen,
Der der Gnaden so viele mir gab. Wie hast du mit Huld mich Ueberschüttet! Du warst es, du hast mir des grossen Propheten Segen, du Vater der Ewigkeit, zugesendet, du Vater Aller Kinder im Himmel, und aller Kinder auf Erden!
Wer beginnet, und wer vollendet, genung dich zu preisen, Herr der Herrlichkeit, dem ich dieß Auge voll Thränen erhebe? In der Säuglinge Munde so gar hast du dir bereitet, Herr, dein göttliches Lob. Ich will, wills nicht verschweigen.
Denn du hast dir auch Lob in der Kinder Munde bereitet. Erst wollt’ ihm Benoni, wie einer der Pilgerknaben, Die zu dem Feste wallten, erscheinen. Doch als er des Preises Freudenthränen erblickte, vermocht’ er sich so nicht zu halten,
Und er erschien Nephthoa in seiner Herrlichkeit. Strahlend Stand er vor ihm, gekleidet in Morgenwolken des Frühlings. Und Nephthoa erschrack nicht. So war die Seele des Knabens An die Bilder gewöhnt, die ihm von dem Himmel kamen,
Oft in Träumen, und oft in fast erwachendem Schlummer. Und er lockte das Haar des himmlischen Jünglings, und redte Mit schnellfliegenden Worten. Dich hat der Prophet mir gesendet! Salems Jüngling, wo schwebest du her? dich hat mir gesendet
Jesus! Du bist ein Bote des Segens, des Friedens, der Wonne! Rede, sings in die schimmernde Harfe, worauf du dich lehnest, Sage, wo schwebest du her! Erzähl, erzähle von Gott mir, Sohn des Lichts! erzähle von meinen Todten mir, Erbe
Jhrer Freuden, von meiner entschlummerten Schwester voll Unschuld, Die mir bey Rosen entschlief, in der Morgendämmerung Duften, Eine Blüthe sie selbst, da sie nun lange schon todt war. Bringst du mir keinen himmlischen Gruß von Dimna Kedemoth?
Oder wie sonst im Himmel ihr neuer Namen jetzt heisset; Und was sagte sie dir? Vielleicht: Der Herr sey gepriesen, Daß ich todt bin, und daß auch mein Nephthoa wird sterben? Nimm mich mit dir zu Dimna Kedemoth. Verzeih, du Bewohner
Jener Hütten, daß ich es wagte, so lange zu reden. Ach, du schweigst mir, Bote von Gott! Jetzt redte Benoni. Daß ich, Nephthoa, dich seh’, und deiner Freuden Entzückung Hat mich schweigen gemacht. Der Herr hat dir mich gesendet.
Jesus war todt, das wußtest du nicht! und ist schon erstanden Aus dem Grabe. Bald wird er hinauf in die Herrlichkeit gehen! Seine Geliebten werden alsdann in Jerusalem zeugen, Von dem Tode, der Auferstehung, und von der Erhebung
Jesus Christus! Die höre. Sie werden von Gott dir erzählen, Was, als einem Sterblichen dir, zu wissen, vergönnt ist. Deine Schwester empfängt dich dereinst in der Lebensbäume Duftenden Schatten! … Doch, nun muß ich Nephthoa verlassen.
Ach noch nicht, du Himmlischer, bleib noch, du Fremdling aus Salem, Wende noch nicht von dem Sterblichen weg dein schimmerndes Auge, Diese Morgenröthe der Wangen, dieß Lächeln der Wonne. Aber Benoni verschwand. Nephthoa blieb mit Entzückung
Stehn, und mit ausgebreiteten Armen, das Bild zu umfassen Seines himmlischen Freundes, das zwar von Schimmer entkleidet, Aber vor ihm, so dacht’ er, noch stand. Auch dieses verschwand ihm, Und ihm sanken die Arme nieder. Da faltet’ er betend
Seine Händ’, und blickte gen Himmel, und lächelte weinend, Nicht so einsam, wie es ihm dauchte. Noch hatt’ ihn sein Engel Nicht verlassen, noch nicht der unsichtbare Benoni. Und sie hörten den Knaben den Namen des Gnädigen preisen,
Jhn aus inniger Seele dem Allbarmherzigen danken, Der die Erscheinung ihm gab, und die Hofnung der grossen Erkenntniß. Dilean war der einzige Freund, den er hatte, gestorben, Und die Geliebte dazu. Er kannte Gottes Propheten,
War, mit brennendem Durste, gewiß zu werden, in Salem Lange geirrt, und hatte geforscht: Ob Jesus erwacht sey? Oder noch todt? Die Nacht hing über sein Haupt, die Ströme Gingen ihm bis an die Seele. Beruhigung sucht’ er, und fand sie
Auch nicht auf den Gefilden voll Frühling. Jtzt kehrt’ er verspätet Zwischen den Gräbern am Oelberg um. Verirrendes Dunkel War sein Führer. Er ging in den tiefen Krümmen, und suchte. Ist das Kidrons Geräusch? und jenes Wehen, der Palmen
In Gethsemane? Nein! das ist ein Brausen in Klüften. Sind das Menschenstimmen? Indem erblickt’ er ein Schimmern, Das beynahe verlosch, geweht vom Winde. Dem folgt’ er. Und er kam an ein Todtengewölb’, aus welchen sie Leichen
Trugen. Ein Reicher erkaufte den Felsen von einem Armen. Und sie trugen ein ganzes Geschlecht, des dürftigen Väter Aus dem Gewölbe. Dilean blieb an der Oeffnung des Grabmaals. Und sie gingen mit ächzendem Schritt’ heraus, mit verdroßnem
Langsam wieder hinein, bewundne Gebeine zu hohlen. Glückliche sinds, die ihr tragt! Gebt mir der Todtenfackeln Eine, damit dort hinten ich sie bey den Leichen euch halte. Und sie gaben ihm eine, da ging er hinter ins Grabmaal.
Und er hielt die Flamme, gelehnt an den Felsen, und dachte: Glückliche, glückliche Todte! … Die seyd ihr auch, ihr Geliebten, Die mich verliessen. Wenn erst auch eure Leichengewande Einst veralten, wie dieser, so bin ich, wie ihr, auch glücklich!
Aber nun … Euch hab ich Verlaßner verloren, ihr Lieben, Meine Seligkeit hier! … und, meine Seligkeit künftig, Gottes Propheten, verlor ich auch! … Ist eine nun künftig, Da er Tyrannen erlag? Sorgt Gott, sie ewig zu machen,
Ach für die, bey denen die Besten den Schlimmsten erliegen? Bin ich ewig? oder verstäub’ ich? Erstand er? verwest er? Diese sind die bebenden Fragen, die Keiner mir auflöst, Auch, ihr Stummen da, nicht! Jhr müsset es können, wofern es
Jrgend ein Endlicher kann. Nicht diese Gebeine vermöchtens; Aber der Geist! Wo seyd ihr, ihr abgeschiednen Genossen Dieser Leichen? Ist euch des Lichtes Wohnung der Freude Wohnung zugleich, wenn Einer auch nur von eurem Geschlechte
Sich mit diesen Zweifeln die Seele martert? Er dacht’ es. Und nun war von Leichen das Grab und von Todtengräbern Leer! Kaum merkt’ er es. Endlich erweckt’ ihn die tiefe Stille. Siehe, nun bin ich allein! Jhr abgeschiednen Genossen
Eurer Leichen, wer seyd ihr? Elisa Gebein erweckte Einen Todten. So war ja bey diesem Gebeine die Seele! Denn der Staub erweckte doch nicht! Wenn auch Eine nur hier ist: Komm, du Eine! damit ich lerne, was künftig mein Loos sey!
Komm, ich will mich vor dir nicht, Seele des Todten, entsetzen. Auf! ich beschwöre dich, Seele, bey deinem letzten Erseufzen, Als du rangst mit dem Tode! bey deiner Hofnung, unsterblich, Oder bey deiner erschütternden Angst, vernichtet zu werden,
Als du rangst mit dem Tode! So rief er, und sah in das Grabmaal. Thirza war schon um ihn, der sieben Märtyrer Mutter, Mit den Seelen des Freundes, und seiner Geliebten gewesen. Diese hatten ihn schon durch das Thal der Gräber begleitet
Bis zu dem Felsen, in welchem er war. Darf ich ihm erscheinen? Fragte die treue Geliebte. Doch würd er sich nicht entsetzen, Wenn er mich säh? Ich will ihm erscheinen! erwiederte Thirza. Ohne Hofnung, zu sehn, wornach er verlangte, bemühte
Dilean sich zu schlummern, und also sich zu entlasten Von den trüben Gedanken, die ihn, wie Wolken, bedeckten. Aber er sucht’ umsonst die kurze Ruhe vom Elend. Wehmuth füllte von neuem sein Herz. Euch hab ich verloren,
Meine Freunde! dich auch, mein Freund in weiblicher Bildung! Ach ihr ließt mich zurück. Nun bin ich allein auf der Erde! Bin … Wer tritt da herein? Wer bist du, der sich mir nähert? Und er ging der dunkeln Gestalt entgegen. Auf Einmal
Ward zur Unsterblichen Thirza aus einer Sterblichen. Schauernd Stund er. So schnell ist der Wink, so schnell ermannt’ er sich wieder, Ging, und betrachtete schweigend die Strahlengestalt, und redte Bald sie an. Wirst du mein Danken, Erscheinung, verstehen?
Oder bist du ein Dunst der Nacht, den Flammen beseelen? Oder ein Bild in meinem Gehirn? … Jhm lächelte Thirza Sanft mit der Himmelsgebehrde, mit so viel Seel’ in dem Auge, Daß er den flammenden Dunst vergaß, und das Bild im Gehirne.
Laut, mit Schnelligkeit, rief er: Erscheinung, Erscheinung, wer bist du? Und melodisch erscholls in dem wiederhallenden Felsen: Wer ich sey, vernimmst du hernach. Jetzt lerne, Beglückter! Halt dich nicht vollkommner, als Andre, weil du die Gnade
Dieser Erscheinung empfähst. Nicht unvollkommner, als Andre, War der Blinde von seiner Geburt, dem Jesus den Tag gab. Daß er ein Zeuge der Herrlichkeit Jesus würde, bedeckt’ ihn Blindheit lange! Daß du, wie er, zu zeugen vermöchtest,
Sandte mich Jesus zu dir, der Auferstandne vom Tode. Nicht, weil du mir riefst, dich zum Zeugen zu machen! erschein’ ich! Wäre dir ohne dein Rufen erschienen! Dein Zweifeln verdiente Zwar Vergebung, allein Belohnung nicht! Und Belohnung
Wär ich, Dilean, dir, wärst du nicht zum Zeugen erkohren. Was geschehn soll, geschieht; ihr zweifelt! oder ihr leugnet! Zweifelte gleich das ganze Geschlecht der sterblichen Sünder An der künftigen Welt; sie würden dennoch erfahren,
Daß geschieht, was geschehn soll! erfahren, daß über den Gräbern Leben wohnt; wie verwundernd sie auch die Erfahrung erführen.
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