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1724–1803

Der Messias. Dreyzehnter Gesang .

Friedrich Gottlieb Klopstock

Jesus Väter freueten sich der Auferstehung In der Gräber Gefilde, wo sie vor kurzem noch schliefen. Aber die Engel umwallten die Erde, die Menschen zu sehen, Die der Versöhner dem Schöpfer von neuem geheiliget hatte.

Ach, die Freude der Zeugen verdrang oft Wehmut; eilend Schwangen sie oft die Purpurflügel, daß ihnen der Erde Lüfte, wie Staub, den vom Fuß der Bote schüttelt, entwehten. Gabriel war noch am Grab’: auf einer der Sonnen, von denen,

Die den Himmel umgeben, Eloa. Dort wartet’ Eloa, Daß herunter stiege die Herrlichkeit Jesus. Des Grabes Engel schwebt’ in die Schöpfung empor, der Auferstehung Himmlisches Zeichen zu sehn. Auf einen der Orionen

Hatt’ er lange sein Auge geheftet. Jetzt geht der Orion Flammend bey einem andern in einer Wendung vorüber, Deren Anblick auf Einmal das Auge des wartenden Seraphs Stralender macht Schon wandt’ er sich. Sturm war sein Schweben u. Blitze

Seine Schwünge! Der Seraph eilt zu den Gräbern, und rufet, Gleich dem Wetter, vor dem der niedergeschmetterte Wald dampft: Kommt zu dem Grabe! Da eilten die Engel herzu, und die Väter. Und der lange Triumph umringte das Grab des Größten

Unter den Todten. Gabriel saß in der Mitte des Kreises Auf dem Grab’, als säß er auf einer goldenen Wolke, Die vollendete Seelen ins Leben der Ewigkeit trüge. Aber der Todesengel, der Jesus im Namen Jehova

Seinen nahenden Tod verkündiget hatte, schwebt’ itzt Langsam hin zu dem Grab’, und sank in Gabriels Arme: Nacht noch ist es rings um mich Nacht! noch bebt mir die Erde! Dunkler, als alle Finsterniß, ist noch der Hügel des Todes!

Niemals haben meiner Unsterblichkeit Kräfte Gerichten, Die Jehova mir gab, erlegen! dem letzten erlag ich! Und erlieg’ ihm! Stärke mich wieder, du Strahl der Allmacht, Der, aus diesem Grabe nun bald zu leuchten, der Rechte,

Gottes enteilt. Der Unsterbliche sprachs, und lehnte mit Staunen Sich an den Felsen, in dem des Geopferten Leichnam ruhte. Aber die Väter und Seraphim fragten einander, und sprachen: Wird die Sonne mit ihm erwachen? der sichtbare Frühling

Dann ein Schatten der Herrlichkeit seyn, womit er hervorgeht? Oder wird noch gewandt von der Sonne Schimmer die Erde Schlummern, indem der Todte, der ewig lebet, hervorgeht? Wird, vor dem Herrlichen, Staub sein Grab, und ein Spiel der Luft seyn

Jener hangende Fels, von dem Angesichte der Erde Weggewehet, indem sein Haupt der Sieger emporhebt? Werden wir seiner Herrlichkeit Glanz zu ertragen vermögen? Ach, kaum fafset mein Herz den Gedanken des süßen Verlangens,

Abraham riefs, den himmelvollen, den Wonnegedanken: Ich, ich selber, werde das sehn! kein Fremder, ich selber, Daß der Geopferte Gottes, ein Ueberwinder des Todes, Jenes Todes, den Er gestorben! ins Leben heraufsteigt!

Halleluja! das werd ich sehn! Er riefs, und der Mond ging Wieder hervor. Nicht lange, so deckten ihn trübende Wolken. Hundert ermüdete Wanderer, Männer, und Mütter, und Kinder Kamen. Sie gingen geführt von dem Monde schneller, er nun schon

Wieder langsam, und waren jetzt in der Heiligen Kreise. Schrecken ergriff sie auf Einmal. Sie wußten nicht, was sie erschreckte, Aber sie flohn. Ein rufendes Kind verirrte sich. Eilend Trat ein Engel herzu, und brachte den bebenden Knaben

Seiner Mutter. Sie wollte dem lieben treuen Gefährten Danken; allein er war in die Nacht hinüber gegangen. Nahe bey David hatte der Engel gestanden. Er kam jetzt Zu dem Geliebten zurück, und David sprach zu dem Engel:

Also führt, der bald nun erstehn, und die Völker der Erde Sich versammeln wird, durch das erste Leben die Menschen! Ach, wie freuet sich meine Seele des Herrn! und wie werd ich Seiner mich freun, wenn er aus dem Felsen des Schlummers erwacht ist!

Jhr, vollendete Fromme, doch deren Leiber noch Staub sind, Und ihr Frommen, die nie der Verwesung Schrecken durchbebte, Jhr vermögt nicht der Auferstehung unnennbare Freuden Ganz uns nachzuempfinden! Wie wird sie Jesus empfinden,

Er, des Ewigen Sohn, der seiner Sterblichkeit Leiden, Und des Todes Furchtbarkeit mehr, wie die Menschen, gefühlt hat! Assaph! er eilt’ in Assaphs Umarmung, des Kreuzes, des Todes Göttlicher Dulder, er wird nun bald, mein Bruder, erwachen!

Und er blickte mit inniger Wonne nach seines Erlösers Grabe. So blickt ein noch sterblicher Frommer sehnlich gen Himmel, Würdiget ihn der Eine, der richtet, deß zu erinnern, Jenes ewigströmenden Urquels ewiger Wonne,

Daß Er, bis zu dem Tode gehorsam, die Seinen geliebt hat, Bis zu dem Tod’ am Kreuz! Und Assaph sah den Propheten, Ward von Seligkeit trunken, wie er. Die Schimmer im Antlitz Davids wurden, so freut’ er sich! Glanz, die Bewegung, der Athem

Harmonieen! Er schwebt’ und erklang! Nun beseelt’ er die Harfe, Wort’ erschollen noch nicht; doch ergoß die goldene Harfe Jubel! Allein nun ergriff ihn der himmlischen Psalmen Begeistrung Ganz! Ein Strom ertönte der Saite Gesang und der Stimme:

Also sieht der Seher der Offenbarung auf Sion Einst in dem Himmel ein Lamm mit schimmernden Wunden bedeckt stehn, Und mit schönem Blute des Heils. Dann stehn um den Hügel Zahllose feyrende Schaaren, sie Alle Versöhnte! die haben

Hell an ihrer Stirne des Vaters Namen geschrieben. Und wie Meere, wie Stimmen der Donner, erklingen die Harfen In der beseelenden Hand der feyrenden Schaaren um Sion! Denn, dem Sohne, sie singen dem Sohne! denn ewiges Leben

Strömt von den schimmernden Wunden des Lamms in die Seelen herunter. Also starb er! So sahen wir ihn! O Leichnam, du schlummerst, Leichnam des Unerschaffnen! Noch wart ihr nicht, Engel, da warf er Auch dieß Licht, wir sahens wie Dämmrung vordem! auf der Schöpfung

Urgestalt, die Strahlen, als er der langen Aeonen Reihen dachte; Sterbliche sollten entschlummern! Er selber! Dann erwachen! Verkündets in allen Himmeln, ihr Zeugen Seines Todes! erzählts in jeder Hütte des Friedens!

Keiner würdige sie, von allen Seligen keiner! Sagts der Hölle nicht an! doch, wenn ihr sie würdiget, donnert Schreckende Halleluja hinab, daß sie weiter hinüber Weiler vom Himmel ins Unermeßliche fliehe! Der Gottmensch

Wird erwachen! nun bald hoch über dem Staube des Grabes Stehen! und Herrlichkeit seyn! und Herrlichkeit! Halleluja! Kommt, kommt eilend zu uns, ihr seine Zeugen auf Erden, Schon sind Hütten der Ruhe für euch geöffnet! die Palme

Winket euch schon! Bald habt ihr euer Zeugniß gezeuget, Bald geblutet, wie Er! Du Blut der Märtyrer, rufe Nicht der Rache, der Rache! wie Abels, rufe der Krone! Stephanus! und Jakobus! ihr Ersten! die Morgenröthe

Seines verkündigten Heils kaum bricht sie hervor, und ihr siegt schon! Stephanus! und Jakobus! verlaßt denn Kanaan! Joseph Kann sich länger nicht halten! nun länger nicht! Halleluja! David sangs, und erlag der Entzückung. Das Halleluja

Konnt’ er kaum vollenden. Die lispelnde Harf’ entsank ihm. Und in seines Lichtes Gewande, die Palme weht’ ihm In der Rechten, ihm wehte sein goldenes Haar, sang Joseph Gegen den Bruder, der einst in seinen Umarmungen weinte:

O der Entzückungen Ungestüm, der das Herz mir erschüttert, Denk’ ich an jene Stunde zurück, in welcher der Vater Jedes Schicksals, ihr Brüder, mich euch zu entdecken, erlaubte. Süßeste meiner Stunden im ersten Leben, du wirst mir,

Also wiedergedacht, der Stunden des ewigen Lebens Eine! Wie war mir, als ich, vollendete Brüder, euch zurief: Ich bin Joseph! … Lebet mein Vater noch? … Du, der im Grabe Schlummert, du Bruder erlöster unzählbarer Brüder, du Erstling

Unter den Erben des Lichts, o laß die Hülle des Blutes Und des Staubes von deinem Antlitz fallen, und zeige Dich in deiner Herrlichkeit wieder! Zwar niemals verkannten Wir in deiner Niedrigkeit dich; doch dürsten wir, dürsten,

Dich mit Wunden, die strahlen, zu sehn, den Sieger des Todes Jenes nicht nur, der liegt, und verwest, des ewigen Todes Sieger! Auch derer, die einst, o du, der ewigen Gnade Ewiger Quell, nach dir, weil sie dich verkennen, nicht dürsten,

Derer erbarme dich auch, und gieb ihm Flügel zu eilen Jenem Tage der letzten Enthüllung der Herrlichkeit Gottes! Wardst du nicht allenthalben versucht, um Mitleid zu haben, Ueberwinder, versucht, wie der Sterblichen keiner versucht ward?

Der geschaffen das Aug’ hat, sieht! geschaffen das Ohr, hört! Der dich geschaffen hat, Herz! ach sollte sich der nicht erbarmen Bist du nicht eingegangen, mit deiner Versöhnung Blute, Hoherpriester, ins Allerheiligste? Ist sie nicht ewig

Deine Versöhnung, die du, der Gerechteste, selbst erfandest? Selbst vollbrachtest! … Wenn sie nun kömmt die Stunde der Wonne Auch den Himmeln verborgen, verborgner der Erde, die Stunde, Die zu dem Retter Abrahams Kinder und Jsaks und Jakobs

Ach zum Gekreuzigten bringt; wenn nun der Völker Füll’ ist Eingegangen, nun Jsrael auch eingehet, und Jesus Sich nicht halten mehr kann, und laut zu weinen beginnet: Ich bin Jesus! … ihm dann die Geliebteren weinend am Halse

Hangen, er Feyerkleider der Unschuld Allen austheilt, Jedem ein helles Gewand mit Blute besprengt, und Kronen, Ach den Geliebteren, daß, vor ihrer Belohnungen Größe, Freudig die Thronen erschrecken! wenn Er dieß Alles vollendet;

O wie werden die himmlischen Boten von Sternen zu Sternen Eilen, verkündigen, was vor ein Licht aus der Tiefe der Weisheit, Was vor ein Strahl aus der Nacht des göttlichen Rathes hervorbrach! Und wie werden alsdann ihr Antlitz die Aeltsten am Throne

Neigen, und niederwerfen die Kronen, und feyren, und danken, Danken dem Einen, der ewig ist, und der Vater der Tage! Siehe, du hast es vollendet! und wirst noch mehr es vollenden! Vater! Erster! du Einer, der ewig ist! o dem Namen

Deiner Herrlichkeit Preis! von Aeonen Preis in Aeonen! Mit des feyrenden Liedes Strome, lispelt’ und hallte Harf’ und Posaune. Wie er in seinen Gestaden einherfloß, (gleich dem sterbenden Widerhalle sang ihn mein Lied nach)

Sanfter itzt floß, und fliegender jetzt, so schwebte der Harfe Lispel auf ihm, und der Hall der Posaune, mit Harmonieen, Die der Seligen Ohr nur hört. Die Gesänge der Himmel Sind nicht Kinder der langsamen, oft entseelten Begeistrnng,

Sind der Urbegeistrung entzückte Söhne, der Wonne Erstgebohrne! Wir kennen sie nicht. Bisweilen nur hört sie Einer, der stirbt, und mit ihnen das ewige Leben beginnet. Nur der Prophet des verstummenden Lamms Jesaia vernahm sie

Von dem geöffneten Grabe noch fern, da die Engel ihr Antlitz Deckten, und gegen einander flogen, und sangen: Heilig, Heilig ist, heilig der Herr der Geschaffnen! und alle Lande Sind der Herrlichkeit Gottes Zebaoth voll! daß erbebten

Vor der Rufenden Stimme die Ueberschwellen des Tempels. Voll von dem süßen Erwarten der Auferstehung des Mittlers Fuhren die Heiligen fort, sich, was sie empfanden, zu sagen Jetzt mit Stimmen, mit Saiten alsdann, und dem feyrlichen Halle,

Oft mit beyden. Denn noch war nicht das Schweigen der Freude, Nicht das Verstummen der Wonne gekommen. Der göttliche Todte Schlummerte noch … Hesekiel stieg auf ein Grabmaal am Oelberg Aus den Wolken herunter, und sang: Verdorrte Gebeine

Sah ich um mich, und wurde des großen Befehles gewürdigt, Jhnen zu rufen: Verdorrte Gebeine, höret des Herrn Wort! Als ich rief den Befehl, da rauschte das weite Gefilde! Siehe da regt’ es sich, als ich den großen Befehl um mich ausrief,

Und die Gebeine kamen zusammen, jedes Gebeine Kam zu dem seinen, und Leben kam mit den fliegenden Winden In die Todten. Nun standen sie all’ auf dem weiten Gefilde, Sieh ein unzählbares Heer! … Das wurd ich zu sehen gewürdigt!

Noch entzückt mich das Bild von dieser Rettung Gesichte; Aber wie war mir, als ich auch selber ins Leben herauf kam, Ich verdorrtes Gebein! O Dank, Dank meinem Erwecker, Dessen Leichnam noch schlummert, und der doch Todten erwecket!

Er verwest nicht, wie wir. Das war der Wille des Vaters, Sterben sollt’ er, am Kreuze sterben! aber verwesen Sollte sein Heiliger nicht! O Erndte viel größer, als jene, Die ich sah, viel größer, als die, zu welcher wir kommen,

Wenn die Schnitter rufen, und wenn die Posaunen erschallen! Zwar nur Eine Aehre; doch ist die Erndte viel größer, Als der unzählbaren Aehren unübersehliche Fluten, Als das ganze Gefilde der Auferstehung voll Garben!

Wüchse die Eine nicht auf; so würden die Schnitter nicht rufen, Nicht die Posaunen erschallen! O Heil dir, du Eine! Die Himmel Aller Himmel werden sich unter deinen Schatten Einst versammeln! der Tod, der furchtbare Tod, der letzte

Aller Feinde, wird dieses Schattens allmächtiges Labsal Nicht zu ertragen vermögen! vergehn! dann wirst du die Herrschaft Uebergeben dem Vater, daß Gott sey Alles in Allen! Halleluja! dem Vater, daß Er sey Alles in Allen!

Und die Schnitter am Tage der Erndte sahn dem Propheten Freudig ins Antlitz. Auch wandte vom Grabe des göttlichen Todten, Schnell, wie ein Wink, nicht länger, dahin, wo Hesekiel feyrte, Gabriel sich. Indeß erscholls gleich Stimmen der Meere:

Halleluja, daß Gott, daß Gott sey Alles in Allen! Amos Sohn verließ die Versammlung der Heiligen, schwebte Nieder auf Golgatha, stand an dem Kreuze des göttlichen Todten. Auch du ließest der frommen Versammlung, und schwebtest herunter,

Daniel, Gottes Geliebter, und standest am Kreuze des Todten. Und sie ergriffen die Psalter, und sangen gegen einander: Hier, hier trug Er unsere Krankheit, unsere Schmerzen Lud er hier auf sich. Die Menschen wähnten, er würde,

Weil er gesündiget hätte, von Gott geschlagen! gemartert! Ach, um unsertwillen ist Er verwundet! geschlagen Wegen unserer Sünden! Auf ihn ward Strafe geworfen, Daß wir Frieden hätten! Uns heilen die Wunden des Dulders!

Seinen Mund eröffnet’ er nicht, da die Wüter ihn quälten! Da er geführet ward gleich einem Lamme zur Schlachtbank! Aus der Angst und aus dem Gericht ist Jesus genommen! Bald wird er in das Leben erwachen! Wer ist auf der Erde,

Wer in den Himmeln, der die Länge der Ewigkeiten Auszusprechen vermag, die Jesus, der Todte, dann lebt? Denn gestorben ist er, indem er die Sünden der Erde Alle trug, er ist gleich einem Verbrecher gestorben!

Ach vollendet ist nun vollendet sein göttliches Opfer Für die Sünden! Jhm werden nun gleich dem Thaue der Morgen Seine Kinder geboren! und Ewigkeit ist sein Leben! Ewigkeit! denn wie hat, in unaussprechlicher Arbeit,

Seine Seele gerungen! dafür ist Wonne dein Erbe! Gottes Knecht, der Gerechte, durch seine himmlische Weisheit Wird er viel zu Gerechten, und Erben der Herrlichkeit machen! Denn die Sünde, die Sünde der Welt hat Er getragen!

Siehe, wer kam von dem Kidron herauf aus des ersten Gerichts Nacht? Wer in der Stärke göttlicher Kraft, die Sünde zu tragen? Wer mit Jammer belastet, mit tiefem Leiden der Seele? Christus wars, der Gerechtigkeit lehrte, zu helfen ein Starker!

Wessen Wunden troffen auf diesen Hügel des Todes? Himmel der Himmel! o wessen Blut rann hin auf den ernsten Sühnaltar? Sein Blut! sein Blut, vor welchen sich Aller Knie einst beuget! vor dem einst Aller Zunge bekennet,

Daß er Herrscher sey zu der Ehre Gottes des Vaters! Nun, nun ist der Uebertretung gewehrt! und die Sünde Zugesiegelt! versöhnet die Missethat! und geworden Ewiges Heil, Gerechtigkeit! zugesiegelt der Seher

Offenbarung! nun ist, Preis sey dem großen Vollender! Preis ihm, er ist gesalbet! auf diesem Hügel des Todes Ist gesalbet der Allerheiligste! Halleluja! Hingerissen vom Bilde des gottgeopferten Mittlers

Wiederhohlten, den Lüften gleich, die in Bäumen des Lebens Säuseln, die Heiligen: Ja, auf diesem Hügel des Todes Ist gesalbet der Allerheiligste! Halleluja! Und die Wache des Grabs ging ab. Die kommende Wache

Führte der Hauptmann, der Jesus auf Golgatha sterben, den Hügel Unter ihm hatte beben, und stürzen die Felsen gesehen. Und am versiegelten Stein, dem Bewahrer des Leichnames, blieben Wundernd die Römer stehen, und unter ihnen ihr Hauptmann.

Cneus, so hieß sein Name, vertiefte sich bald in die Zweifel Seiner Gedanken. Die Stille der Nacht, und des wandelnden Mondes Sanfte Schimmer luden ihn ein, sich weiter und weiter Ins Labyrinth zu verlieren, aus dem kein Leiter ihn führte.

Und er lehnete sich an den Felsen. Ein Göttersohn denn? Aber welches Gottes? des Gottes der Jsraeliten? Dieses? … O warum zweifl’ ich an unsers Jupiters Größe; Denk’ ich an den, den Jehovah dieß leichtbezwungene Volk nennt,

Den es nicht zu kennen verdient? wie niedrig, und sclavisch Ist es! wie klein durch sich selber, wie groß durch Jehovah, der Götter Gott! So nennt er sich selbst, und nennt sich nicht nur; er zeigt sich So durch Thaten! denn wär die Geschichte der Wunder Jehovah

Zweifelhaft; so wär die Erzählung von Jupiters Thaten Mehr, als zweifelhaft! doch ein Sohn des großen Jehovah; Und doch sterblich? Und, wenn nur ein Mensch, wie könnt er so groß seyn? Also dacht er, indem ihn ein Bote, den Portia sandte,

Seinem Grübeln entriß. Mich sendet Portia, Cneus, Dich zu fragen: Ob Ruh am Grabe gewesen? und ob sich Keiner dem Todten nahe? Sie war erst selber entschlossen, Herzueilen, allein sie entschloß sich anders … Hier herrschet,

Sage Portia dieß, die Stille der Gräber, und keiner Naht sich dem Todten. Er eilete. Wart, und sag ihr auch dieses, Sag ihr: Er komme wieder ins Leben; er komme nicht wieder; Beydes verwirre mich! geh! … Sie quälet, wie mich, die Entwicklung

Dieser verborgnen Geschichte des unterliegenden Frommen. Denn dieß war er gewiß! Ein frommer Sterblicher war er; War er kein Sohn des Gottes der Götter! Des Gottes der Götter? Also verläugn’ ich Jupiter? setz’ ihn unter Jehovah,

Den ich nicht kenne? den ich viel mehr, als Jupiter, kenne! Denn viel mehr ist Wahrheit in dem, das Jehovah gethan hat, Als in dem, das der Donnerer that! Nur mehr? Ist nicht Alles Wahrheit? O hätten des liegenden Jsraels Ueberwinder

Jupiter angebetet; so wäre das Bild des Gottes, Wie das Bild des Dagon, in stumme Trümmern zerfallen, Ja, aus der Hand des Schwachen, in stumme Trümmern die Donner! Ha! was hab’ ich gedacht! was dringt mich, Zevs zu verläugnen?

Jhn dem Unbekannten, dem schrecklichen Unbekannten Aufzuopfern? und weß ist die Stimm’ in der innersten Seele, Der ich zu widerstehn nicht vermag? Wenn du, Jupiter, mehr bist, Als der Gott der Götter; so donnr’ in den Abgrund mich nieder:

Ach, wo bin ich? O Wut der furchtbaren Ungewißheit! Nein! nicht Ungewißheit! So hätt ich Jehova beleidigt! Bey dem Strome Cocytus, bey dem nur, Jupiter, du schwörst, Fleh ich: Donnre mich nieder! O du, nach dessen Erkenntniß

Ich mit dieser entflammten Begier verlange, Jehova, Offenbare dich mir! bin ichs werth? … kanns ein Sterblicher werth seyn? Offenbare dich mir! Er dacht’ es gen Himmel, und senkte Dann sein Haupt auf die Brust. Ach, warum sah ich den Frommen

Seine Wunder nicht thun? und warum säumt’ ich, zu hören, Was er, von Gott, und von sich, und den Menschen sagte; so kennt’ ich Nun die Menschen, und ihn, und Gott! … Die am meisten ihn horten, Waren Männer voll Einfalt. Ach besser, als wären sie Weise,

Die so selten sich nicht verirren, und Grübler gewesen! Aber wo such’ ich sie? Er ist todt, und wird mich nicht lehren! Und sie find ich nicht! Doch in jenem besserem Leben, Wo er jetzt ist, wird er mich lehren! Jm besseren Leben?

Ist denn ein künftiges? wirds, wenn es ist, denn besser für mich seyn? Da, der so unschuldig gewesen, so vieles gelitten; Ach, was wird der Schuldige leiden! Du Unbekannter! O du Unbekannter! ja meine Seele verirrt sich

In dem Forschen nach dir! O könnt ich deiner Propheten Offenbarung und Lehren verstehn, aufdecken die Hülle, Welche sie meinem Auge verbirgt! So gar noch am Kreuze Hätt’ ich ihn fragen können! Nun ist er verstummt! Auf ewig?

Der nur weis es, der ihn gesandt hat! Können die Todten Auferstehen? Der Heilige Todte dort hat den Seinen, Wieder ins Leben zu kommen, verheissen! Das sagen ja selber Seine Verfolger, und darum bewachen wir seinen Leichnam.

Kommt er nun nicht zurück; so verwirren mich seine Geschichte, Die mich, weiter erforscht, von Gott mehr hätte gelehret, Seine Wunder, sein Leiden noch mehr! Zu welchem Kummer Ist mein Leben gemacht? und warum schonten die Schlachten

Meiner immer? der fallende Pfeil, und der zuckende Wurfspieß! Warum hört ich nicht lange den letzten schmetternden Bogen Tönen? Ha Brutus, als du zuletzt an der Tugend Belohnung Zweifeltest, nahmst du dein Schwert! Und ich seh größere Tugend

Unbelohnter, und säume? Was hält mich? Nicht Furcht vor dem Tode! Denn ihn hab ich zu oft in blutigem Felde gesehen! Bin ihm entgegen unter sinkenden Adlern, gegangen! Nein! ihn fürcht’ ich nicht! Doch was ist es denn, das mich aufhält?

Warum entsetz’ ich mich, wenn ich mich nun dem ernsten Entschlusss Völlig nahe? Beleidigt’ ich etwa den Unbekannten? Und ist Warnung vielleicht die geheime Gewalt, die mich fesselt? Wenn mein Tod ihn beleidigt; so müsse meinem Entschlusse

Jmmer etwas zur Reife fehlen! Wie aber ergründ ich: Ob ich dadurch ihn beleidige? Sollte die bebende Frage: Ob ich ihn beleidige? Furcht des Todes in mir seyn? Furcht so tief verborgen? O wüßt ichs, wie wollt ich des Lebens

Weiche Liebe strafen, und dir zum Opfer sie bringen, Ted! So verlor sich Cneus auf seinem finsteren Wege Nach der Gottheit, indem noch nicht die Rechte des Helfers Seine Führerinn ward, ihn, nach der Höhe der Weisheit,

Auf den schmalen Weg, durch die enge Pforte, zu leiten.

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