Die du am Sion den heiligsten unter den Sängern Jehova Sahst, von ihm lerntest, als er, vom ewigen Geiste gelehrt, sang, Den der Richter im Tode verließ, den größten der Todten, Lehr, Sionitinn! mich wieder, du lerntest himmlische Dinge!
Komm, und führe den Bebenden, deinen Geweihten, und bebe! Führe mich in des Gekreuzigten Nacht. Des Heiligthums Schauer Faßt mich! Ich will den Sterbenden sehn, ich will die gebrochnen, Starren Augen, den Tod auf der Wange, den Tod in den schönsten
Unter den Wunden! dich sehn, du Blut der Versönung! … Es sank ihm, Und er blutet’, es sank ihm sein Haupt, er blutet’, es sank ihm, In die Nacht hin, sein heiliges Haupt; da verstummte der Gottmensch. Von des Richters Angesicht flog Eloa herunter,
Kaum den Unsterblichen sichtbar, so eilt er die Himmel herunter. Und er hielt in der Linke die himmlische Krone; die Rechte Schwung die Posaune. Sie tönt. Es tönen der Sphären Gesänge. Und der nächste dem Unerschaffnen, er rief durch die Himmel:
Feyert! Es flamm’ Anbetung der grosse, der Sabbat des Bundes, Von den Sonnen zum Throne des Richters! Die Stund ist gekommen! Feyert! die Stunde der Nacht ist gekommen! Sie führen das Opfer. Und die Himmel umher vernahmen des Rufenden Stimme.
Doch schon war er vorübergeeilt. Zwo Winke, so schwebt er Ueber Golgatha. Um ihn herum versammeln der Erde Engel sich eilend. Er rief sie. Jhr strahlenwerfender Kreis schloß Jzt um Eloa sich zu. Eloa stieg aus dem Kreise,
Feyerlich stieg er auf Golgatha nieder, und stand auf der Höhe. Dreymal neigt er nunmehr sein tiefanbetendes Antliz Auf den Staub des Hügels herab, dann erhub er sich, streckte Ueber den Hügel den hingebreiteten Arm aus, und schaute
Auf den Meßias herab, der, in der Ferne, begleitet Von Judäa, langsam gen Golgatha herkam, und, schwerer, Als sein Kreuz, das Weltgericht, trug! … So sah ihn Eloa, Stand, hielt über den Hügel den hohen Arm hin, und sagte:
Hört mich, Himmel, und jauchzt! Du Hölle, vernimm mich, und bebe! In des Auszusönenden Namen! und deß, der zu bluten Kömmt, des Versöners Namen! im Namen des Geistes, der Sünder Schafft zu Gerechten, weih ich dich, Hügel, zum Tode des Sohnes!
Heilig! heilig! heilig! ist der, der seyn wird, und seyn wird! Also weiht Eloa, und staunt. Des Unsterblichen Schimmer Wurde Dämmrung, so staunt er! Und nun verstummt er nicht länger, Senket gegen den Mann von Erde gefaltete Hände,
Welcher die Tief herauf, sein niederbeugendes Kreuz trug, Sieht ihn unter dem wankenden Kreuz, fällt nieder aufs Antliz, Betet: O du, der dem Altar sich naht, zu sterben den schönsten Und den wunderbarsten der Tode, du Menschenfreund! Schöpfer!
Mitgebohrner, und Sohn des Geschlechts, das Gräber begraben! Bethlehems Kind! … du weintest, wir sangen dir Jubel! Du läßt dich Bis auf Golgatha nieder: die tiefre Verwundrung verstummt dir, Mehr zu jauchzen! O Sohn! Sohn Gottes! und … der Gebohrnen!
Unerschaffner! (kein Endlicher sang da Jubel!) Vollender Alles deß, so das Höchste, das Wundervollste, das Beste, Das ganz Herrlichkeit ist! tiefangebeteter Gottmensch! Wiederbringer der Unschuld, der gottgefallenden Unschuld!
Todtenerwecker! Vertilger des ewigen Tods! Weltrichter! Oder, wie deine Menschen dich nennen, du Lamm, das erwürgt wird! Höre mein tiefes Gebet! vernimm des Endlichen Stimme, Die vom Staube, worauf dein Blut wird bluten, dir betet.
Wenn dein Auge nun bricht; die lezte Blässe des Todes Ueber dich, Geopferter, strömt; die Himmel der Himmel Nun erzittern, und fliehn; nun, nur Jehova, mit vollem Hingehefteten Blicke den Sterbenden anschaut: o stärke
Dann aus der hangenden Nacht mich, in die dein Leben hinabstirbt, Stärke, grosser Vollender! mich dann, damit ich nicht hülflos, Nicht zu bebend, unter die Gräber der Erde versinke, Und, wenn in schwim̃ender Däm̃rung um mich die Schöpfung nun wanket,
Ich, so dunkel mein Aug auch hinstarrt, im Tode dich sehe! … Tod! o Tod des Sohnes! du nahst dich, Tod! Von dem ersten, Der ein Sterblicher ward, bis zu dem lezten von Adam, Dessen jungem Leben der Auferstehung Posaune
Wegzuathmen gebeut, sie alle wirst du versönen; Wenn du, noch einmal Schöpfer: Es ist vollendet! nun ausrufst. Tod! o Tod des Sohnes! Und du, des Geopferten Vlut! … Heil! Heil, den erlösten Seelen! Sie kommen, und wandeln, und jauchzen!
Jhre Kleider sind hell in des Todten Blute gewaschen! Drauf erhub sich Eloa, vertheilte die Engel der Erde Weit um Golgatha her. Auf niederhangenden Wolken Sammlen sie sich; bedecken die breiten Rücken der Berge;
Oder schweben über der Ceder, und gehen voll Tiefsinn Mit den wallenden Wipfeln: er selbst stand über des Tempels Höhen; ein weitumkreisendes Heer! der allmächtigen Vorsicht, Die von fern herrscht, furchtbare Diener: Engel des Todes
Und des Weltgerichts; Hüter der Menschen; künftiger Christen Hüter! und, weil sie die Hüter der Märtyrer wurden, am Throne Deß, dem der palmentragende Märtyrer blutet, die Ersten! Gabriel aber (ihn hatte zur Sonne der Gottmensch gesendet,)
Ließ mit silbertönendem Flug auf Uriels Burg sich Nieder, und stand vor den Seelen der Väter, und sagte zu ihnen: Kommt nun näher, ihr Väter der Menschen! Jhr seht ihn! (Hier wies er Mit der bebenden Rechte.) Da trägt der Sündeversöner
Gegen den Hügel sein Kreuz. Dieß ist der Hügel des Todes! An dem erhabnerem dort, der mit zween Gipfeln heraufragt, Ging er ins erste Gericht. Von diesem sollt ihr ihn sehen, Wenn er, für eure Kinder und euch, sein Leben wird bluten.
Kommt, Erlöste! Die Enkel der Enkel, die noch die Geburt nicht Zu Unsterblichen schuf, er geht, er eilt, er versönt sie! Feurig sagt es der Seraph. Verstummt vor Wehmut und Wonne, Folgen die Väter ihm schon. Sie eilen. Der schnelle Gedanke,
Der aus der Seele voll Andacht von Sternen zu Sternen hinaufdenkt, Eilt nur eilender! Gabriel führte den schimmernden Haufen. Jtzo betrat ihr schwebender Fuß den liegenden Oelberg. Adam betrat ihn zuerst, sank nieder, und küßte die Erde.
Mütterlich Land, (so sprach er,) ich seh, o Erde, dich wieder! Seit den Jahrhunderten, da mein Gebein am Abend des Todes Du in deinen friedsamen Schooß, o Mutter, zurücknahmst, Stand ich nicht über dem Staube der todtenvollen Gefilde!
Nun, nun steh ich darauf. Sey mir, o Erde, gegrüsset! Seyd mir, Gebeine der Todten, gegrüßt: ihr werdet erwachen! Meine Kinder, ach, meine Kinder! ihr werdet erwachen! Und, o Stunden, ihr nahenden Stunden, o seyd mir, im Jubel.
Jm Triumphe, genannt! Jhr entlastet die Erde vom Fluche! Jhrem heiligen Staub erschallt des Blutenden Seegen! Halleluja! er kömmt, er kömmt der Erdegebohrne! Siehe, der Allerheiligste kömmt, und naht sich dem Tode!
Also sprach er. Noch hielt er sein Herz, das in himmlische Wehmut Aufzuschauern begann; er hielts noch, und schwieg, und schaute. Aber Eloa stand auf dem Tempel, und sahe die Väter Kommen. Jzt wandt’ er sein Antliz, und sieht hoch über dem Kreuze
Satan und Adramelech im wilden Triumphe schweben; Satan wegen des Werks, das er schon vollendet, und beyde Wegen künftiger Thaten! Eloa sieht die Empörer, Wie sie, erhoben über die Wolken der wandelnden Erde,
Jm weitkreisenden Schwunge die höhern Wölbungen messen. Und in seiner Herrlichkeit hub sich Eloa vom Tempel Gegen die ewigen Sünder empor. Er ging in dem Glanze Dieses gefeyrtesten Tags, vor allen Tagen der Feyer.
Gottes Schrecken schwebten um ihn. Die dünneren Lüfte Wurden vor ihm zu Stürmen, und rauschten! Des Kommenden Gang war Eines Heers Gang, welchem die tragenden Felsen erzittern. Und der Unsterbliche tönt’, und glänzte daher! Die Empörer
Sahn, und hörten ihn kommen, und zwangen umsonst ihr Erstaunen Zu verbergen. Sie standen, und wurden dunkler. So stehen In den lezten Tiefen der Hölle zween nachtvolle Felsen! Aber, mit Einer lezten Erhebung, trat Eloa
Vor die Verworfnen, und sprach: Jhr, deren Namen der Abgrund Nenne! verlaßt, ihr seht der hohen Unsterblichen Lichtkreis! Diesen verlaßt, und entlastet von euch die heilige Stäte. Siehe, so weit der äusserste Schimmer der Seligen, Gränzen
Euren Empörungen, strahlt; schwebt da nicht über der Wolke! Kriecht da nicht am Staube der Erde! Der Seraph gebot so. Aber wie zwey Gewitter, die an zwo Alpen herunter Dunkel kommen, (ein stärkerer Sturm tönt ihnen entgegen,
Wird sie verstreun!) wie die in ihrem Schoosse den Donner Fliegend reizen, damit er die krummen Thäler durchbrülle: Also rüsten zur Antwort sich wider Eloa die Stolzen. Was die Wut Entsezliches hat, die Rache Verwegnes,
Runzelt’ auf ihrer Stirne sich, rollt’ in den flammenden Augen! Aber mit herrschendem Blick schaut ihnen Eloa ins Antliz: Erst verstummt! dann flieht! Käm ich mit der siegenden Stärke, Die Jehova mir gab; so sollte von diesem erhobnen,
Treffenden Arm euch ferne von mir mein Donner verschleudern. Aber ich komm in dem Namen des Sohns von Adam, der (schaut ihn!) Dort sein Kreuz trägt! Jm Namen des Ueberwinders der Hölle: Flieht! … Sie flohen dunkler, als Nächte. Nacheilende Schrecken
Heften sich an die Ferse der Flucht, und treiben sie seitwärts Auf die Trümmern Gomorra im todten Meere. Die Engel Sahen sie fliehn, es sahen sie fliehn die Väter. Eloa Stieg, zur Zinne des Tempels, in seiner Herrlichkeit nieder.
Jesus war zum Todeshügel gekommen. Ermattet Schwankt er am Fusse des Hügels. Die blutbegierigen Haufen Zwangen einen Wanderer, welcher an Golgathas Hange Furchtsam hinabstieg, daß er das Kreuz dem Ermatteten trüge.
Unter dem Volk, das ihm folgte, beweinten ihn Einige; weiche, Wutlose Seelen, doch die mit ganzem Herzen am Eiteln Hingen, und kaum den Göttlichen kannten. Jhr flüchtiges Mitleid War nur sinnlich; nicht edel, nicht Mitleid der Seele! Der Gottmensch
Hört sie klagen, und wendet sich um, und spricht zu ihnen: Warum weinen Jerusalems Töchter? Beweinet mich nicht! Weinet über euch selber, und über eure Kinder! Denn es nahn sich die Tage der Angst. In den furchtbaren Tagen
Werden sie jammern: O selig die Unfruchtbaren! die Leiber, Die nicht gebohren! die Brust, die nicht säugte! Dann werden sie sagen Zu den Bergen: Fallt über uns her! und den Hügeln: Bedeckt uns! Denn, geschahe das mir, was wird den Sündern geschehen!
Jzt war er auf die Höhe des großen Altars gekommen. Und er schaute zum Richter empor. … Die Kreuziger nehmen Jhm das Kreuz ab, errichten es unter Todtengebeinen. Und das Kreuz erhub sich gen Himmel, und stand. Der geweihte,
Festliche Tag, er schimmert noch sanft; noch freut sich die kleinste Schöpfung im Labyrinthe der lebenathmenden Lüfte Doch Ein Wink, so fängt in ihrem Schoosse die Erde In den geheimsten entlegensten Tiefen mit leiser Erschüttrung
An zu beben. Und über dem Antliz der schauernden Erde Rüsten Stürme sich, wirbeln, und heulen in hangenden Klüften. Und es schwankte das Kreuz. Der Gottmensch stand bey dem Kreuze! … Adam sah ihn, und hielt sich nicht mehr. Mit glühender Wange,
Mit hinfliegendem Haar, mit ofnen bebenden Armen, Eilt’ er hervor zum äussersten Hange des Bergs, sank nieder. Als er hinsank, flammte der Himmel im schanenden Auge Des nicht Sterblichen mehr. Er lag, und weinte vor Wonne,
Wonn’ und ewiges Leben und Schauer, und Wehmut, und Staunen, Ueberströmten sein Herz. Des vollen Herzens Empfindung Wurd izt Stimme; nun betet’ Adam. Die Kreise der Engel Hörten die Stimme des Beters! Er blickt auf die Gräber und betet:
Nein! der Seraph nennt dich nicht aus! Die Unsterblichen weinen, Wenn sie, in deine Liebe vertieft, die tausendmal tausend Herrlichkeiten zu nennen beginnen, und betend verstummen! Ach! ich nenne dich Sohn! und verstumm, und weine mit ihnen!
Jesus Christus mein Sohn! mein Sohn! wo wend ich mich hin? wo? Daß ich dieß unnennbare Heil, die Wehmut ertrage? Jesus Christus! mein Sohn! … O, die ihr früher, als ich, wart, Aber nicht früher, als er! schaut auf ihn, Engel, herunter!
Schaut herunter! Er ist mein Sohn! Dich segn’ ich, o Erde! Dich, o Staub, aus dem ich gemacht ward! O Wonne! du volle Ewige Wonne! die ganz die Begier des Unsterblichen ausfüllt! O der grosse, der tiefe, der himmelvolle Gedanke,
Dein Gedanke, Jehova: Du schufst! da schufst du auch Adam! Adam aus Staube, damit er der Vater des Ewigen würde! Steh hier still, unsterbliche Seele! durchschau die Tiefe, Diese weite Tiefe der Wonne! … Was sind es, ihr Himmel!
Was für Augenblicke, die izt die Unsterblichen leben! Jeder ist göttlich, und ieder, er trägt auf dem eilenden Flügel Ewigkeiten der Ruh! und die wird Adam durchleben! Nun ist dieser nicht mehr! nun dieser! Erhabnere kommen
Jmmer näher, noch näher! O eure Stimmen, ihr Himmel! Gebt mir eure Stimmen, daß ichs durch die Schöpfungen alle Laut ausrufe: Das Opfer, es steht am Schatten des Todes! Mache dich auf, erhebe dein Haupt, komm, stehe vom Staub auf,
Menschengeschlecht, und schmücke dich schön mit betenden Thränen! Denn der Allerheiligste steht am geöfneten Grabe. Meine Kinder! ach, meine Kinder, ihr seyd die Geliebten! Euch versönt er! O, kommt zu dem Sterbenden, Kinder von Adam!
Wer im Palaste mit Golde bedekt wohnt, lege die Krone Nieder, und kommt! Jhr, die sich mit Hütten von Erde beschatten, Laßt die niedrigen Hütten, und kommt! Ach, aber sie hören Meine Stimme, die Stimme des Liebenden nicht. Jhr Verwesten,
Welche die Gräber und das Gericht mit Tode bedecken, Hört sie auch nicht! … Du bist, der du dich opferst, auf ewig Bist du Erbarmer! … Vollender! du gnadenvoller Erdulder! Siehe, du wirst es vollenden! Und nun … (Unaussprechliche Wehmut
Ueberfällt mich, und dringt in iede Tiefe der Seele!) Nun, nun geht er dahin. O stärk mich Endlichen, stärk nun Mich den ersten der Sünder, und der die Verwesung gesehn hat, Du, der ihn im Tode verläßt, Weltrichter Jehova!
Adam rief es. Indem trat, dessen Namen die Himmel Ewig nennen, näher ans Kreuz, hub seine Hand auf; Hielt sie vor sein Antliz, und neigte sich tief, und sagte, Was kein Seraph vernahm, und kein Erschaffner verstünde!
Aber vom Throne des dunkeln Gerichts antwortet Jehova. Von der Antwort erklangen des Allerheiligsten Tiefen, Und es bebte des Richtenden Thron. Die Kreuziger nahten Sich dem Versöner. Indem betreten die Welten alle
Mit weitwehendem Rauschen des Kreislaufs Puncte, von denen Sie die Versönung verkündigen sollten. Sie standen. Die Pole Donnerten sanfter herab, und verstummten. Die stehende Schöpfung Schwieg, und zeigte des Opfers Stunden die Himmel herunter.
Auch du standest, du Welt der Sünder und Gräber! das Grabmal Deß, der bluten sollte, mit dir! Nun schauten mit allen Jhren Unsterblichkeiten die Engel. Es schaute Jehovah, Schaut, und hielt die Erde, die sank, es schaute Jehovah,
Siehe, der seyn wird, und seyn wird, auf Jesum Christum herunter Und sie kreuzigten ihn! … Die du unsterblich, wie sie bist, Welch’ ihn sahen, o du, die seine Wunden auch sehn wird, Neige dich tief ans unterste Kreuz, umfaß es, verhülle
Dich, o Seele, bis dir die bebende Stimme zurückkömmt! Als wenn über die Schöpfung umher ein allmächtiger Tod läg, Und in allen Welten nur stille Verwesungen schliefen, Nun kein Lebender auf der Verwesenden Staube mehr stünde:
So mit todter feyrlicher Stille schauten die Engel, Und die Väter auf dich, Gekreuzigter! Aber sein Leben, Da sein unsterbliches Leben begann mit dem stärksten der Tode Nun zu ringen, und nun sein erstes Blut floß; da wurde,
Seraphim, euer Erstaunen zur Stimme! Sie jauchzten, und weinten, Und es hallten die Himmel von neuen Anbetungen wieder. Nun noch einmal, und nun noch einmal blickt’ Eloa Nach dem Blutenden nieder! und nun, mit einer Erhebung,
Wie ihn noch nie ein Unsterblicher sah, mit lautem Erstaunen, Schwung er sich in die Himmel der Himmel, und rufte, (so tönen Eilende Stern’ im kreisenden Lauf) er rufte: Sein Blut fließt! Flog in der Tiefe des Unermeßlichen, rufte: Sein Blut fließt!
Und drauf schwebt er mit stiller Bewundrung herauf zu der Erde. Als er durch die Schöpfung einherkam, sah er die Engel Auf den Sonnen, die ersten der Engel, an ihren Altären Stehen. Sie standen feyernd, und von den goldnen Altären
Flammten Morgenröthen hinauf zum richtenden Throne. Durch die weite Schöpfung herunter flammten die Opfer, Bilder des blutenden Opfers am Kreuz: ein himmlischer Anblick! Also sahn die siebzig Aeltesten des gottgewählten
Und lautzeugenden Volks auf Sina die Herrlichkeit Gottes; Oder so hub sich, dem heiligen Volke den Weg zu gebieten, Von der Hütte, worinn dein Allerheiligstes ruhte, Offenbarter, die Säule der Flammen in donnernde Wolken!
Aber der Gottmensch blutet. Jzt schaut er auf Juda hernieder, Das, von Jerusalem an, bis nah zum Kreuze, gedrängt stand. Sieh, er neigte sich hin, und rief den Hügel herunter: Vater! sie wissen es nicht, was sie thun. Erbarme dich ihrer!
Stille Bewundrungen wandelten dir, du Stimme der Liebe, Durch die Menge der Schauenden nach. Die huben ihr Antliz Zu dem Blutenden auf, und sahn die Blässe des Todes, Deine, du tödtlichster unter den Toden, über ihn strömen.
Dieß nur sahe der Sterblichen Auge; der grossen Gestorbnen Seelenvolleres sahe geheimere Dinge: Sein Leben, Wie es rang, sein Leben von keinem Tode zu tödten, Hätte Gott den Tod nicht gesandt! wie allmächtige Schauer
Durch den Sterbenden schütterten! wie er, verlassen vom Vater, Hing am hohen Kreuze! zu welchem Heile sein Blut floß! Welche Versönung dieß Blut, aus diesen Wunden, herabquoll! Sieh, er hub sein Auge gen Himmel, und suchte nach Ruhe,
Aber er fand nicht Ruhe! Mit iedem fliegenden Winke Starb er Einen furchtbaren Tod; und fand nicht Ruhe! Und es waren mit ihm zween Missethäter gekreuzigt. Denn, zu dieser Tiefe, beschloß des Ewigen Rathschluß
Und sein eigner, ihn zu erniedrigen. Einer der Mörder Hing zu seiner Rechte, der Andre zur Linke. Der eine War ein versteinerter Sünder, ein graugewordner Verbrecher. Dieser kehrte sein finstres, verstelltes Gesicht zu dem Mittler:
Christus wärst du? Wärst du es; hülfst du uns! hülfst du dir selber! Stiegst du diesem Baume, den Gott verflucht hat, herunter! Aber der andre Verbrecher, ein Jüngling verführt in der Blühte, Nicht von ruchlosem Herzen; doch hingerissen zur Sünde,
Rang aus seinem Elend sich auf, und strafte den andern:
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