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[Heult nicht Nordenwind! der rauhe Felderfeind]

Johann Klaj

Heult nicht Nordenwind! der rauhe Felderfeind Das Goldgestralte Liecht zweymal vier Stunden scheint Der Flüsse Strand besteht; wo vor die Segel flogen Knirscht ein belastes Rad; der Wald hat außgezogen

Sein grünes Sommerkleid; das nasse Fichtenpferd Ligt in den Hafen dort; es sitzet üm den Herd Der brache Schäferman; der Wintzer hat gedekket Die Fechser und der Stock liegt Ellentief verstecket

Was macht ein Musensohn so manche lange Nachts? Ein Vers den Dunkelheit hat an den Tag gebracht Ist dunckel von Geburt! der kan der Kälte lachen Der Feuer bey sich hat im Fall er pflegt zu machen

Ein Lied das geistig ist! durchsucht des Jahres Lauf Weil auch ein kalter Wind die Flamme bläset auf Die Sinn und Kunst erhitzt; wie mich denn unlängst triebe Vom Kachelofen weg der freien Freiheit Liebe.

Ich gieng den alten Pfad nicht zwar wie vor im Klee Es knarplet unter mir der hartgefrorne Schnee. In dem fleugt Vater Jaan aus düstrer Winterlufft Vnd schreyet: hör! hieher! Ich sehe wer mir rufft.

Der zwey gestirnte Gott stund da mit rohten Ohren Es war jhm Haar und Bart wie Felsenhart gefroren Sein Kleid war durch und durch vor Kälte Kreidenweis An seinem Schlüssel hieng ein grosser Zapfen Eis.

Er sprach: wohin? wohin? jetzt ist hier nichts zu schauen Jetzt blüht kein Rosenstrauch jetzt feyren Berg vnd Auen Vnd wie die Sage geht so freyet Pusch und Wald Es buhlet Stamm und Ast Kraut Wurtzel jung und alt

Vm diese Weyhnachtzeit. Wie? wiltu Rosen brechen Ich weiß derselben drey die kanstu sonder stechen Abpflükken wann du wilt; die hegt ein güldnes Feld Nechst hohem Purpurglantz in jenem Winterzelt.

Die Farben und die Zahl beloben kluge Sinnen Des Glükkes lieben Sohn den Schutz der Pierinnen; Gold ist die Gottesfurcht das Liechte Purpurroht Ein Leben ohne Fehl Gedult in Creutz und Noht.

Ich hörte zu: er sprach: es läst sich hier nicht stehen Die Lufft schneidt schaurig scharf wir wollen vorbaß gehen. Es ist nicht weit von hier des Gartens Scherbenhaus In welchem Flora grünt und lacht den Winter aus.

Die Lorbern falben nicht es leuchten Pomerantzen Es bleiben unversehrt weithergebrachte Pflantzen. Hör an und setze dich; der Blumen Ruch verdirbt Herr Schmidmayr dieser Herr und sein Lob nimmer stirbt.

Es war ein schöner Zank alsbald bey seiner Wiegen Da ihm ein jeder Gott wolt an der Seiten liegen Sie drungen sich üm ihn; Apollo goß ihm ein Der süssen Künste Milch den klaren Götterwein;

Mars nam ihn auff den Arm und mehrmal ihn beküste Frau Swada leget ihn an ihre weisse Brüste Er war von Kindheit an mit Götterkost gespeist Die Febusvolk ernehrt und von dem Pindus fleust.

Er wuchs sehr lieblich auf Verstand kam vor den Jahren War jung an Klugheit alt und reiste nach den Wahren Der theuren Wissenschaft; Paris der Erden Ruhm Die Sittensäugerin der Weißheit Eigenthum

Nam ihn mit Freuden auf denn zog er nach der Schulen Wo die drey Huldinnen mit dreymal dreyen buhlen Des Mavors Dummelplatz der Belgen Städte Liecht Wo man die Fahnen schwingt wo man die Lantzen bricht.

Daher die Pallas noch im gantzen Küris gehet Weil ein gelehrter Kopff schön in der Rüstung stehet. Ein auserlesnes Buch ein dummelhafftes Pferd Verbrüdern sich gar wol sind gleicher Ehren werth.

Der Degen schützet zwar des Helden Leib und Leben Doch muß der Federbusch hoch ob den Degen schweben Wird der geharnschte Mars der Pallas beygelegt Ein Kunstgeübter Sinn der Ritterspiele hegt

Verdoplet Lob und Lust; wie Cæsar Kunst und Kriegen In einer Stirn gefühlt; die Faust von vielen Siegen Die hat hernach das Werck selbst zu Papyr gebracht Die Feder hat das Schwerd diß jenes groß gemacht.

Herr Schmidmayr stirbet nicht viel minder seine Gaben Die ihn in diesem Stand sehr hoch erhaben haben Es ist ja seine Lust ein ritterliches Schwerd Der Ball und das Raquet ein wolgewandtes Pferd

Ein blankgezognes Rohr das niemal nicht versaget Vnd durch das Kraut das Loht hin in das schwartze jaget Ein leichtgefüster Hund der manchem Wild nachsetzt Und was er nur erspürt durch Strauch und Stauden hetzt

Bis daß er es erwürgt. Denn zu bequemen Zeiten Gejaget angestelt ein Freundgesintes streiten Ist zugelasner Krieg; die kühne Jägerhand Entzündet Blut und Muht schärfft Urthel und Verstand.

Wie liebt er nicht den Herrn dem keiner leichtlich gleichet Und wie man sonsten sagt nicht wol das Wasser reichet Der viel gelesen hat und list noch täglich viel Dem auch die schwerste Frag ein leichtbeliebtes Spiel.

Laß sonsten alles seyn wodurch er möchte grünen Gedenk an jenes Buch der treflichen Rabbinen Das jüngst durch seine Gunst des Tages Liecht erblikt Und seines Namens Ruhm in alle Welt geschikt.

Was Opitz aufgebracht pflegt er mit Lust zu lesen Das bey dem Teutschen Volck vom Anfang her gewesen Dann ihm nicht unbewust daß alles hier vergeht Nur ein Poetenfreund und ein Poet besteht.

Ein ausgeputzter Reim und Kunstgebundne Schrifft Die sind des Todes Tod des Gifftes Gegengifft. Stirbt ein Poetenfreund bleibt der Poet nur leben So kan er mit dem Vers das Leben wieder geben.

Der Rosen safft vertreibt der schwartzen Gallen Wust Ein Vers den Unverstand und gibet Hertzenslust. Die Rosen stärcken auch das Haubt und schwache Glieder: Ein aufgeflamter Vers bringt Geist und Stärcke wieder.

Wann jetzt die strenge Lufft streicht über Berg und Thal So steht der Rosenstrauch entblösset Blätter kahl: Die Rosen gelblichroht im kalten Jenner gläntzen Ihr bunter Rock der stralt im Hornung und im Lentzen

Die Rose zeucht den Mund und Augen an sich hin Ein Vers die Rose selbst Hertz Muht und allen Sinn. Mein gib ihm diß Papyr und meinentwegen grüsse Sag daß ich seine Hand mit Teutscher Treue küsse;

So sagte Vater Jaan und kam nicht mehr zu Liecht Ich sah dem Alten nach er warf mir ins Gesicht Den hartgebalten Schnee. Weil Ihr dann Künste liebet Nemt was im Neuen Jahr euch alte Liebe gibet.

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