Die Sonn hat sich verkrochen
der müde Tag ist hin
die Nach ist angebrochen
die Sorgenlinderin
die Weld hat angeleget
jhr düsterschwartzes Kleid
kein Baum ist der sich reget
in Wäldern weit und breit.
Die liechtbeflammten Sternen
das blancke Heer der Nacht
die lernen uns von fernen
die starcke Vaterwacht
mein Gott mit meiner Zungen
hat mein geweckter Geist
dich heute früh besungen
Dich und dein Lob gepreist.
Jetzt rühmet deine Güte
mein Loberfülter Mund
auß brünstigem Gemüthe
in dieser Abendstund
Dir wil ich Opfer bringen
mit diesen schlechten Thon
laß mein Gebete dringen
durch deinen Wolcken Thron.
Du hast mir zugeschicket
der heilgen Wächter Wacht
daß mich kein Strick bestricket
kein Fall zu fall gebracht
Freud Feinde Neider Hasser
kein Mensch hat mich beschwert
Lufft Feuer Erde Wasser
nichts nichts hat mich gefährt.
Was ich in Ambtsgeschäfften
geschafft hast du geschafft
Du giebest meinen Kräfften
Krafft höchstgefürchte Krafft
Du Weg mein Weg deß Lebens
Du meines Heiles Heil
Du Segen meines Segens
deß Erbes Erbetheil.
Jetzt leg ich mich nun nieder
zur angenehmen Ruh
jetzt rasten meine Glieder
die Fenster fallen zu
Ich lege Händ und Füsse
fein Creutzweiß unbetrübt
das ist mein Ruheküsse:
Also hat Gott die Welt geliebt.