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1906

Der neue Mensch

Klabund

Mensch, es strömen die Jahrtausende In dein offnes Herz. Der sausende Flügelschlag der Zeit bestürme dich! Halte fest der Promethiden Feuer,

Und in ihrem heiligen Glanz erneuer Zart zu Faltern das Gewürme sich. Gingest du nicht deinen Gott verkaufen Unter Lächeln, Liebeln, Huren, Saufen?

War mit Gold gefüllt nicht Raum und Zeit? Lern an reiner Quelle wieder trinken, Lerne wieder liebend niedersinken In die Kniee vor der Ewigkeit.

Aus den Kratern schweben die Dämonen, Welche bei den schwarzen Engeln wohnen, Und es steigt die süd- und nordsche Flut, Schwing die Fackel deiner reinen Seele.

Horch: schon zwitschert wieder Philomele, Und es schwirrt der Zukunft Adlerbrut. Sollen Irre durch die Gassen taumeln? Sollen Schwangere am Galgen baumeln?

Freiheit, welche mordet, ist nur Wahn. Stosst hinab in tiefste Höllentiefen, Wo noch immer nicht sie endlich schliefen, Nero, Robespierre und Dschingiskhan.

Die ihr lebend starbet in den Grüften Unsrer Städte: schwingt euch mit den Lüften Eines neuen Frühlings in die Welt. Liebe will sich liebend euch ergeben,

Lachend werdet ihr das Leben leben, Wenn der morsche Tempel fällt!

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