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1786–1862

Todten-Opfer für Karl Gangloff .

Justinus Kerner

Der Menschheit Seufzer schweigen, Von Flöten und süßen Geigen Ertönt ein muntrer Chor, In freyen Laubgewinden

Sich wieder Sänger finden, Die singen wie zuvor. Duftreiche Lilien blühen, Melodisch Flüsse ziehen

Zum freygeword'nen Rhein. Mit himmelblauen Wogen Kommt jauchzend der gezogen Von Blut und Thränen rein.

Die Männer, die aus Schlachten Uns Ros' und Lilie brachten, Durch Wunden roth und bleich, Die laß uns würdig preisen,

Ich mit Gesangesweisen, Du Freund! mit Bildern reich! O Traum! — du junges Leben! Von Bildern hell umgeben,

Die deine Kunst erfand. Liegst du im stillen Zimmer Erbleicht im Sarge, — nimmer Rührt sich die theure Hand!

Wie könnt' ich so mich trügen! Bilder und Griffel liegen Verlassen ja herum! Wie seyd ihr bleich, ihr Wangen!

Ihr Lichter! wie vergangen! Du Mund! wie kalt und stumm! Im Tod ist dir erklungen Das Lied der Nibelungen,

Schwertschlag der Hermannsschlacht. Drauf hat dir wonnetrunken Der sel'ge Freund gewunken Und sieh! — es war vollbracht.

Die du hier oft in Bildern Versuchtest treu zu schildern Hellen'scher Männer Chor, Helden aus Herrmannsstreiten,

Jungfrau'n aus deutschen Zeiten, Die tragen dich empor. In linden Armen halten Dich göttliche Gestalten,

Die ahnend du geschaut; Wohl sind es deine Führer, Mengs, Raphael und Dürer, Dir ewig nun vertraut.

Ich doch muß einsam wallen! Ihr Andern! Laßt erschallen Jubel und Siegsgesang! — O Geist in sel'ger Wonne!

Send' mir aus deiner Sonne Nur einen einz'gen Klang!

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