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1786–1862

Sankt Alban .

Justinus Kerner

Es steht dem Land zum Gruße Ein Kreutz auf Berges Höh', Leis' wallt zu seinem Fuße Ein himmelblauer See.

Viel duft'ge Kräuter blühen An dieses Wassers Rand, Viel fromme Pilger ziehen Dahin vom fernen Land.

Wohl vor zwölfhundert Jahren, Da lag dieß Land gar wild, Der Wald mit Thiereschaaren, Der See mit Gift erfüllt:

Die an des Kreutzes Stelle Ein schlimmer Felsen war, Stellend zur Lust der Hölle Des Satans Bildniß dar.

Kalt, wie des Mondes Strahlen, Blickt' es in's Land hinein, Zum Fluch den Höh'n und Thalen; Statt Blumen wuchsen Stein',

Statt Menschen wurden Drachen, Statt Fischlein Schlangen im See, Die Hölle sah's mit Lachen Und pries das Bild der Höh'.

Da kam vom fernen Strande Sankt Alban, stark und kühn, Zu diesem wilden Lande, Zu diesem Felsen hin.

Ihn faßt' des Landes Jammer, Er sprang zum Felsenwall, Zerschlug mit starkem Hammer Das Bild, — es fiel mit Schall.

Dankvoll, daß ihm's gelungen, Kniet' er dort auf den Höh'n, Der Fels, der war zersprungen, Ein Kreuz daraus blieb steh'n.

Und wie dasselbe blickte Weit in das Land hinein: Man Ros' und Lilie pflückte In lindem Maienschein.

Da lagen in den Klüften Erdrückt die Drachen all, Da sang in Blumendüften So manche Nachtigall,

Viel Fischlein, silberhelle, Waren im See zu schau'n, Und an Sankt Albans Stelle, Da knieten zarte Fraun.

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