O seel'ge Herrin! Stern aus Norden, Der sich einst mild zu uns gewandt, Du, die zum Liebesstern geworden Dem hoffenden, dem armen Land,
Bist schon verschwunden, kaum gekommen, Ein Morgen über Thal und Höh'n, Und Deine Saat, des Lichts benommen, Muß nun im Keime traurend steh'n.
Wie liegt es bang auf jedem Herzen! Wie thun es tausend Thränen kund! Und wer da spricht, der spricht von Schmerzen, Und, wie sein Innres tödtlich wund.
Wohl manchem ist's, als könnt' er scheiden Fortan mit Lust von Herd und Haus, Als löschten mit Dir alle Freuden, Jedwedes Licht auf einmal aus.
Ihr Glocken mit geweihtem Schalle! Ruft durch die traurend stille Luft: „ihr Arme! kniet und betet alle! „hörts! eure Mutter deckt die Gruft!“
„ihr Reiche hörts! nun ist verschwunden „sie, euer Stolz, Sie, aller Hort! „kniet! schwört: das Band, das Sie gebunden, „ein Heiligthum zu binden fort.“
Wie Well' an Well', schlag Zähr' an Zähre; Wehlaut! fahr über Land und Meer, Ruf aus: „Ihr Länder und ihre Meere! O trauret all'! Sie ist nicht mehr!“
Wie jubelt's laut in Sternenhallen! Wie flammt in Lust des Himmels Zelt! Bei uns, wie ist es öd, zerfallen! Wie ohne Heimat jezt die Welt!
Aufflog Sie nun zur ew'gen Sternenhalle, Dahin, woher Sie segnend einst gekommen, Wir aber steh'n, erkrankt in Thränen alle, Kein Trost, kein Heilkraut kann uns Armen frommen.
Doch wie wir steh'n, so jedes Trosts benommen, Ertönt's zu uns mit himmlisch süßem Schalle! „schaut himmelan! ich bin euch ja geblieben! „ein Schutzgeist schwe'b ich waltend ob euch Lieben.“
Nun ist Sie erst um uns und bey uns allen, Von keinem mehr getrennt durch Thal und Höhen; Wo Seufzer stöhnen, heiße Thränen fallen, Verlaßne Arme still zum Himmel flehen,
Da wird man hören oft ein leises Wallen, Wird ungehoffte Hülfe staunend sehen. Dann fraget nicht: woher ist das gekommen? Es kam von ihr, dem Schutzgeist aller Frommen.
Die Glocken haben ausgeklungen, Die schwarzen Kleider zog man aus, Und Blum' und Blüthe ist gedrungen Glanzreich an's Licht aus dunklem Haus.
Mag noch so bunt die Aue prangen, Steht paradiesisch Feld und Hain, Der Schmerz, daß Sie von uns gegangen, Der dringt in's Herz durch Blüthen ein.
Doch ist's, als käm von Der Blüthenhimmel reich und klar, Wie Die Heilige im Leidensjahr.
Doch ist's, als flöß, was noch von Segen Des Himmels fühlt dieß arme Land: Mondlicht und Sonnenschein und Regen Herab aus
Was Menschen thun kann nimmer frommen, Uns retten Gottes Engel nur; Nie wird ein Hungerjahr mehr kommen, — Sie schwebt ein Schutzgeist ob der Flur.
Als Sie noch bey euch gewandelt, Spracht ihr manches schiefe Wort, Ruhig doch hat sie gehandelt, Und gesegnet immerfort.
Jezt die Heilige verschwunden, Hebt's euch aus dem Schlaf empor, Und ihr fühlt in tausend Wunden, Was die Welt an ihr verlor.
Drum bey solchem Loos auf Erden Zürnt nicht, wann die Muse ruft: Muß man, um geliebt zu werden, Liegen erst in Sarg und Gruft?
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