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1786–1862

Lob der Spindel .

Justinus Kerner

Die Faust des Mannes zieret Ein blank geschliffen Schwerdt, Das er in Treue führet, Wo er das Recht begehrt.

Sank er auf blut'ger Haide, Den Ring, den Edelstein, Dies seiner Hand Geschmeide Grab' man mit ihm hinein.

Des Eisens Wucht zu heben Sind Frauen nicht gewandt, Sie leben stilles Leben Die Spindel in der Hand.

Die zarte Hand der Schönen Ziert Sie tanzt mit süßem Tönen, Und singt der Frauen Fleiß.

In alter Wälder Dunkel, Auf moosigem Gestein Sizt an krystallner Kunkel Nachtfrau im Mondenschein.

Mondhelle Fäden bringet Ihr Finger zart hervor; Seltsam die Spindel singet; Es lauscht des Wandrers Ohr.

In Schloß und Burgeshallen Die Spindel emsig sang; Den deutschen Frauen allen War sie ein lieber Klang.

Gar spärlich Sammt und Seide Umfieng der Frauen Leib. Im selbstgesponn'nen Kleide Gieng da manch süßes Weib.

Kaum daß in armer Kammer, In Nächten lang und bang, Bey Thränen und bey Jammer Noch tönt der Spindel Sang.

Sing' nur! Du singst den Sorgen Der Armuth endlich Tod. Steig auf, du lichter Morgen! Bring' das ersung'ne Brod.

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