Tief ergraut stieg Englands König Von der Väter hohem Thron, Legte Scepter, goldne Krone In die Hand dem edlen Sohn.
Bald ihm Licht und Rede schwanden, Einsam stand er in der Nacht, Also von der Welt geschieden Hat er Jahre zugebracht.
Plötzlich glänzt des Greisen Auge Einmal noch im alten Licht, Wie die halb versunkne Sonne Einmal noch aus Wolken bricht.
Auch die Rede kam ihm wieder, Klang vollstimm'ger Harfe Ton, Treue Diener horchten staunend, Rufen den geliebten Sohn.
„heil!“ so sprach der Sohn in Freude, „heil der himmlisch hohen Macht, Die dich aus des Innern Nächten, Einmal noch zurückgebracht!“
„weil' bis ich dein altes Leben, Wie mit Wein und Frühlingsduft, Mit viel süßer hehrer Kunde Angefrischt in Kindeslust.“
Seit zur Ruhe dir vom Himmel Schlummer auf die Sinne sank, Eisenband mit wildem Donner Vom bedrückten Erdball sprang!
„nordlands Männer schwangen rächend Eisen in der starken Hand, Stürme brausten, Flammen tobten, Zündeten im teutschen Land.“
„unter ihren alten Eichen, Wo sie banger Traum umfieng, Sprangen auf die teutschen Männer, Sprengten keck der Kette Ring.“
Drauf des Alten Auge glänzte Mit des Nordsterns vollem Schein, Den Pokal ergreift er eilend, Trinkt in Lust viel gold'nen Wein.
Und er ruft in hoher Wonne, Haltend zitternd den Pokal: „nordstern! aller Sonnen Sonne! Leben trink' ich deinem Strahl!“
„leben euch, ihr alten Eichen, Im urfesten, teutschen Land! Männern, euch, in ihrem Schatten, Schwerdt' in der gestählten Hand!“
„brau's, o Meer, in Harfentönen, Singe hohen Festgesang, Daß der Hölle Macht zerschlagen, Daß des Erdballs Kette sprang!“
„was die Zeit in ihrem Laufe, Endlich auch zur Welt gebracht, Wandelte als volle Sonne Längst durch meine stille Nacht.“ —
Also sprach der Greis entzücket, Aber kehrte d'rauf zur Stund' Wieder in des Innern Nächte, Nimmer spricht fortan sein Mund.
Doch sein Auge blicket immer Als ein himmlisch milder Stern; Treue Diener stehen wartend Um den alten, edlen Herrn.
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