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1786–1862

Kaiser Rudolfs Ritt zum Grabe .

Justinus Kerner

Auf der Burg zu Germersheim, Stark am Geist, am Leibe schwach, Sitzt der greise Kaiser Rudolf Spielend das gewohnte Schach.

Und er spricht: „ihr guten Meister! Aerzte! sagt mir ohne Zagen: Wann aus dem zerbrochenen Leib Wird der Geist zu Gott getragen?“

Und die Meister sprechen: „Herr! Wohl noch heut erscheint die Stunde.“ Freundlich lächelnd spricht der Greis: „meister! Dank für diese Kunde!“

„auf nach Speyer! auf nach Speyer!“ Ruft er, als das Spiel geendet, „wo so mancher deutsche Held „liegt begraben, sey's vollendet!

„blast die Hörner! bringt das Roß, Das mich oft zur Schlacht getragen!“ Zaudernd stehn die Diener all', Doch er ruft: „folgt ohne Zagen!“

Und das Schlachtroß wird gebracht. „nicht zum Kampf, zum ew'gen Frieden, Spricht er, „trage, treuer Freund! „jezt den Herrn, den Lebensmüden!“

Weinend steht der Diener Schaar, Als der Greis auf hohem Rosse, Rechts und links ein Kapellan, Zieht halb Leich' aus seinem Schlosse.

Traurend neigt des Schlosses Lind' Vor ihm ihre Aeste nieder, Vögel, die in ihrer Hut, Singen wehmuthsvolle Lieder.

Mancher eilt des Wegs daher, Der gehört die bange Sage, Sieht des Helden sterbend Bild Und bricht aus in laute Klage.

Aber nur von Himmelslust Spricht der Greis mit jenen Zweyen, Lächelnd blickt sein Angesicht Als ritt er zur Lust in Mayen.

Von dem hohen Dom zu Speyer Hört man dumpf die Glocken schallen. Ritter, Bürger, zarte Fraun, Weinend ihm entgegen wallen.

In den hohen Kaisersaal Ist er rasch noch eingetreten; Sitzend dort auf goldnem Stuhl Hört man für das Volk ihn beten.

Reichet mir den heil'gen Leib! Spricht er dann mit bleichem Munde, Drauf verjüngt sich sein Gesicht, Um die mitternächt'ge Stunde.

Da auf einmal wird der Saal Hell von überird'schem Lichte, Und verschieden sitzt der Held, Himmelsruh im Angesichte.

Glocken dürfen's nicht verkünden, Boten nicht zur Leiche bieten, Alle Herzen längs des Rheins Fühlen, daß der Held verschieden.

Nach dem Dome strömt das Volk Schwarz unzähligen Gewimmels. Der empfieng des Helden Leib, Seinen Geist, der Dom des Himmels.

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