Herr Ritter Ernst, der war ergrimmt zu einer bösen Stund', Er schlug die falsche Dienerin mit seinen Fäusten wund. Er schlug die falsche Dienerin, er stieß sie mit dem Fuß: „herr Ritter Ernst! und wißt fürwahr, daß Euch dieß reuen
muß.“ Es war die falsche Dienerin, die eilte durch den Saal, Sie eilte durch den weiten Hof, hinab ins grüne Thal. Da saß Herrn Ernsts sein Töchterlein, ein Fräulein fromm
und zart. Es spielt mit bunten Blümelein nach anderer Kinder Art. Da pflückt die falsche Dienerin drei Röslein auf dem Plan, Zu locken dieses stille Kind zum wilden Strom hinan.
„komm liebes Kind! komm, süßes Kind! da blühen Rös- lein rund!“ Sie faßt es an dem goldnen Haar, sie schleudert's in den Grund.
Eine Weil' das Kind die Tiefe barg, eine Weil' es oben schwamm, Auflacht die falsche Dienerin, doch bald ihr Reue kam. Sie flieht von dem unsel'gen Strom, flieht über Berg und
Thal, Sie irrt so viele hundert Jahr, kann ruh'n kein einzigmal. Es sah Herr Ernst von hoher Burg, sah in den grünen Grund,
Sie brachten todt sein süßes Kind, auf Rosen man es fund. Es blüht wie eine Rose roth, wie eine Lilie weiß. Er legt's in einen gold'nen Sarg, bestattet es mit Fleiß. Manch' Mutter kniet' mit ihrem Kind auf Regiswindens
Gruft, Doch wenn Herr Ernst, der Vater, kam, entstieg ihr Ro- senduft. Seitdem erscheint zur Todesnacht gar manchem frommen
Kind, Bekränzt mit duft'gen Röslein roth, die heil'ge Regiswind. Auch liegt seitdem manch' frommes Kind, das Nachts erlitt den Tod,
Am Morgen in der Wieg' umkränzt mit jungen Röslein roth.
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