Skip to content
1786–1862

Der Wassermann .

Justinus Kerner

Es war in des Mayen lindem Glanz, Da hielten die Jungfern von Tübingen Tanz, Sie tanzten und tanzten wohl allzumal Um eine Linde im grünen Thal.

Ein fremder Jüngling in stolzem Kleid Sich wandte bald zu der schönsten Maid, Er reicht ihr dar die Hände zum Tanz, Er setzt ihr auf's Haar einen meergrünen Kranz.

O Jüngling! warum ist so kalt dein Arm? In Neckars Tiefen da ist's nicht warm. O Jüngling! warum ist so bleich deine Hand? In's Wasser dringt nicht der Sonne Brand!

Er tanzt mit ihr von der Linde weit. Laß Jüngling! horch, die Mutter mir schreit! Er tanzt mit ihr den Neckar entlang: Laß Jüngling! weh! mir wird so bang!

Er faßt sie fest um den schlanken Leib. Schön Maid! du bist des Wassermanns Weib! Er tanzt mit ihr in die Wellen hinein: O Vater und o du Mutter mein!

Er führt sie in einen krystallenen Saal: Ade, ihr Schwestern im grünen Thal!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Der Wassermann . · Justinus Kerner · Poetry Cove