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1786–1862

Der Rosenstrauch .

Justinus Kerner

Bei Winters Frost in Kluft und Wald Sich Kaiser Carl verloren, Die Diener treu, die liegen bald Rings um den Herrn erfroren.

Er niederkniet auf kalten Stein, Legt ab die güldnen Ketten, Legt ab den Purpurmantel sein, Und thät demüthig beten.

Ach, weh! ach, weh! der Rosenkranz Der starren Hand entsinket, Doch wie er sinkt, wie Sonnenglanz Er auf der Erde blinket.

Ein Rosenstock schnell aus ihm sproßt, Thät über Eichen steigen, Ein süßes Düften sich ergoß Aus seinen Blüthen und Zweigen.

Auch rings, so weit sein Duft gereicht, Die Bäume grünend standen, Die Vögel sich mit Singen leicht Wohl durch die Lüfte schwangen.

Die Sonne auch durch Kluft und Wald Mit mildem Glanz geschienen, Die Knappen treu erstehen all, Den Herren zu bedienen.

Und wo den Rosenstock man schaut Auf der geweihten Stelle, Zur Andacht ward gar wohl erbaut Eine heilige Kapelle.

Ein Rosenkranz umfängt sie bald, Unter'n Altar die Wurzeln dringen. Da innen Chor und Orgel schallt, Da draußen die Vögel singen.

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