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1786–1862

Der Pilger .

Justinus Kerner

Ich hieng mit heißer Liebe An einem ird'schen Bild, Das ach! mit eitlem Triebe Das schwache Herz erfüllt,

Es schwand des Lebens Frieden, Und matt blieb ich hienieden. Da blickt ich ach mit Thränen Hinaus wol in die Welt,

Es stillte nicht mein Sehnen, Was frommem Sinn gefällt, Wol standen Mond und Sterne Kalt in der schwarzen Ferne.

Mich und die Welt zu fliehen, Faßt' ich den Wanderstab, Viel Blumen sah ich blühen, Doch keine brach ich ab,

Mich trieb ein banges Ahnen Nach ungewohnten Bahnen. Da blickt von Bergeshöhen Mir ach! so neu, so mild,

Als hätt' ich's nie gesehen, Vom Kreuz des Mittlers Bild, Nicht konnt' ich widerstreben, Auf zog es mich mit Beben.

Und was ich jüngst begehrte, Das Ird'sche floh mein Herz, Hinab sank Staub und Erde, Sonne flog himmelwärts.

Hin kniet' ich im Entzücken, Es an das Herz zu drücken. Da strömten Ruh' und Wonne Aus ihm in meine Brust,

Als wär' es eine Sonne, Durchzückt es mich mit Lust; Es flogen Engel nieder, Und grüßten mich als Brüder.

Doch sieh! zum süßen Lohne Neigt mild das Bildniß sich, Es sinkt die Dornenkrone Von seinem Haupt auf mich.

Fest drückt' ich sie zum Herzen, Fühlend so süße Schmerzen. Und bis zur Todesstunde, In Weh und Lebenslust,

Fühl' ich die theure Wunde Nun tief in meiner Brust; Fühl', wie ein neues Leben Mir ganz in ihr gegeben.

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