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1786–1862

An das Trinkglas eines verstorbenen Freundes.

Justinus Kerner

Du herrlich Glas, nun stehst du leer! Glas, das er oft mit Lust gehoben! Die Spinne hat rings um dich her Indeß den düstern Flor gewoben.

Jetzt sollst du mir gefüllet seyn Mondhell mit Gold der deutschen Reben! In deiner Tiefe heil'gen Schein Schau' ich hinab mit frommem Beben.

Was ich erschau' in deinem Grund, Ist nicht Gewöhnlichen zu nennen, Doch wird mir klar zu dieser Stund', Wie nichts den Freund vom Freund kann trennen.

Auf diesen Glauben, Glas so hold! Trink' ich dich aus mit hohem Muthe. Klar spiegelt sich der Sterne Gold, Pokal in deinem theuren Blute.

Still geht der Mond das Thal entlang, Ernst tönt die mitternächt'ge Stunde, Leer steht das Glas, der heil'ge Klang Tönt nach in dem krystall'nen Grunde.

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