Skip to content
1854

Trübes Wetter

Gottfried Keller

Es ist ein stiller Regentag, So weich, so ernst, und doch so klar, Wo durch den Dämmer brechen mag Die Sonne weiß und sonderbar.

Ein wunderliches Zwielicht spielt Beschaulich über Berg und Tal; Natur, halb warm und halb verkühlt, Sie lächelt noch und weint zumal.

Die Hoffnung, das Verlorensein Sind gleicher Stärke in mir wach; Die Lebenslust, die Todespein, Sie ziehn auf meinem Herzen Schach.

Ich aber, mein bewußtes Ich, Beschau das Spiel in stiller Ruh, Und meine Seele rüstet sich Zum Kampfe mit dem Schicksal zu.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Trübes Wetter · Gottfried Keller · Poetry Cove