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1854

Stiller Augenblick

Gottfried Keller

Fliehendes Jahr, in duftigen Schleiern Streifend an abendrötlichen Weihern, Wallest du deine Bahn; Siehst mich am kühlen Waldsee stehen,

Wo an herbstlichen Uferhöhen Zieht entlang ein stummer Schwan. Still und einsam schwingt er die Flügel, Tauchet in den Wasserspiegel,

Hebt den Hals empor und lauscht; Taucht zum andern Male nieder, Richtet sich auf und lauschet wieder, Wie's im flüsternden Schilfe rauscht.

Und in seinem Tun und Lassen Will's mich wie ein Traum erfassen, Als ob's meine Seele wär, Die verwundert über das Leben,

Über das Hin- und Widerschweben, Lugt' und lauschte hin und her. Atme nur in vollen Zügen Dieses friedliche Genügen

Einsam auf der stillen Flur! Und hast du dich klar empfunden, Mögen enden deine Stunden, Wie zerfließt die Schwanenspur!

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