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1857

Schweizerdegen

Gottfried Keller

Heißt ein Haus zum Schweizerdegen, Lustig muß die Herberg sein; Denn die Trommel spricht den Segen, Und der Wirt schenkt Roten ein!

Kommen die Gäste, schön Wirtin, sie lacht, Sie hat schon manchen zu Bette gebracht! Ist kein Volk fast allerwegen, Was da nicht schon eingekehrt,

Und der Wirt zum Schweizerdegen Hat den Eintritt nie verwehrt, Hat dann die blutige Zeche gemacht, Daß die Frau Wirtin vor Freuden gelacht.

Zweiundzwanzig Schilde blitzen Von dem Giebel weit zu Tal: Zeug- und Bannerherren sitzen Harrend in dem hohen Saal,

Lauschend, bis jauchzend die Mutter sie ruft Und von den Schilden erklinget die Luft. Und auf allen Weg' und Stegen Steht es auf zu Berg und Tal;

Hört, es klingt der Schweizerdegen, Hört, es singt der alte Stahl! Tut ihm genug und erprobt ihn vereint! Besser, das Mütterchen lacht, als es weint!

Wo in Ländern, schön gelegen, Wo in altgetürmter Stadt Schweizerherz und Schweizerdegen Die gemeine Herrschaft hat,

Da ist die Mutter, so hold und so fein. Lacht sie? so wird's Frau Helvetia sein!

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