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1854

Mönchspredigt

Gottfried Keller

Es schlägt ein Mönch aufs Kanzelbrett Und macht gar schlimme Witze; Sein Hals ist kurz, der Atem fett, Sein Wort voll roter Hitze.

Er endet just, mit glühndem Hauch Die Hölle heiß zu schildern; „Gott selber“, schreit er, „wollt er auch, Kann jene Qual nicht mildern!

Gott schloß der Hölle schwarz Portal Und hat den Schlüssel verloren! Solange Gott lebt, lebt die Qual, Das ist euch zugeschworen!“

Er rief's; der böse Schwaden steigt Aus seinen Eingeweiden; Still rührt der Schlag – der Lästrer schweigt Und endet ohne Leiden.

Ihr Christenleute, zittert nicht Ob seinen wilden Scherzen! Die Qual ist aus, die Hölle bricht, Sie brach mit seinem Herzen!

Uns ist auf seiner fahlen Stirn Ein guter Trost erworben: Der böse Gott in seinem Hirn Ist still mit ihm verdorben!

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