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1854

In fremden Landen

Gottfried Keller

An des Heimatflusses Borden, Wo die Linden überhangen, Bin ich manches Mal gegangen, Wenn die Erde jung geworden

Und den Frühlingsmantel wob, Wenn die Wasser voller klangen Und bis vor die Füße drangen, Daß der Pfad sich schwellend hob.

Wenn die Welle singend flieht, Ist's, als höre man Geschichten, Was im Oberland geschieht, Weit ins Niederland berichten;

Und so man stromaufwärts sieht, Will es scheinen, daß das ganze Innre Land im Firnenglanze Auf der Flut herunterzieht.

Ausgespannte Netze schimmern Zwischen blütenweißen Bäumen, Perlend in der Sonne flimmern Sie von feuchten Wasserschäumen;

Und ein Knäblein schläft im Kahn, Schaukelnd sich in jungen Träumen; Ohne Hast und ohne Säumen Schafft der Vater nebenan.

Ja, mit ruhig festem Schritte Schreiten dort die Männer hin; Schlicht bescheiden ist die Sitte, Ernst bewegt der freie Sinn.

Und in ihrer sichern Mitte Wuchsen Recht und Freiheit auf; Das Gesetz schirmt Haus und Hütte, Jeden Herd ein Büchsenlauf.

Hier, an diesem fremden Strand, Wachsen Weine stark und süß, Und es gleicht das üppige Land Wohl auch einem Paradies;

Aber dumpf und ungewiß Sind die Herzen und die Blicke, Und verworrene Geschicke Walten in der Finsternis.

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