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1854

In Duft und Reif

Gottfried Keller

Im Herbst verblichen liegt das Land, Und durch die grauen Nebel bricht Ein blasser Strahl vom Waldesrand, Den Mond doch selber sieht man nicht.

Doch schau! der Reif wird Blütenstaub, Ein Lorbeerhain der Tannenwald, Das falbe, halb erstorbne Laub Wie bunte Blumenwogen wallt!

Ist es ein Traumbild, das mir lacht? Ist's Frühlingstraum vom neuen Jahr? – Die Freiheit wandelt durch die Nacht Mit wallend aufgelöstem Haar!

Und wandelnd späht sie rings und lauscht, Die bleiche, hohe Königin, Und ihre Purpurschleppe rauscht Leis über dunkle Gräber hin.

Sie hat gar eine reiche Saat Verborgen in der Erde Schoß; Sie forscht, ob die und jene Tat Nicht schon in grüne Halme sproß.

Sie drückt ein Schwert an ihre Brust, Das blinkt im weißen Dämmerlicht; Sie bricht in wehmutvoller Lust Manch blutiges Vergißmeinnicht. –

– Es ist auf Erden keine Stadt, Es ist kein Dorf, des stille Hut Nicht einen alten Kirchhof hat, Darin ein Freiheits-Märtrer ruht.

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