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1854

Ich hab in kalten Wintertagen

Gottfried Keller

Ich hab in kalten Wintertagen, In dunkler, hoffnungsarmer Zeit Ganz aus dem Sinne dich geschlagen, O Trugbild der Unsterblichkeit!

Nun, da der Sommer glüht und glänzet. Nun seh ich, daß ich wohlgetan; Ich habe neu das Herz umkränzet, Im Grabe aber ruht der Wahn.

Ich fahre auf dem klaren Strome, Er rinnt mir kühlend durch die Hand; Ich schau hinauf zum blauen Dome – Und such kein beßres Vaterland.

Nun erst versteh ich, die da blühet, O Lilie, deinen stillen Gruß, Ich weiß, wie hell die Flamme glühet, Daß ich gleich dir vergehen muß!

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