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1854

Gruß der Sonne

Gottfried Keller

Aus den braunen Schollen Springt die Saat empor, Grüne Knospen rollen Tausendfach hervor.

Und es ruft die Sonne: Fort den blassen Schein! Wieder will ich Wonne, Glut und Leben sein!

Wieder wohlig zittern Auf dem blauen Meer Oder zu Gewittern Führen das Wolkenheer!

In den Frühlingsregen Sieben Farben streun Und auf Weg und Stegen Meinen goldnen Schein!

Ruhn am Felsenhange, Wo der Adler minnt, Auf der Menschenwange, Wo die Träne rinnt!

Dringen in der Herzen Kalte Finsternis, Blenden alle Schmerzen Aus dem tiefsten Riß!

Bringt – ich bin die Sonnen! – An das Kerkertor, Was ihr habt gesponnen Winterlang, hervor!

Alle finstern Hütten Sollen Mann und Maus Auf die Aue schütten, An mein Licht heraus!

Mit all euern Schätzen Lagert euch herum, Wendet eure Fetzen Vor mir um und um!

Daß durch jeden Schaden Leuchten ich und dann Mit dem goldnen Faden Ihn verweben kann!

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