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1858

Das neue glückhafte Schiff

Gottfried Keller

Die Freundschaft fuhr auf klaren Wogen, Das Schiff war wahrlich gut bemannt! In heitrer Luft vereinigt flogen Die alten Banner wohlbekannt;

Und aus der Tiefe rauscht' die Sage Verwundrungsvoll ans Licht empor, Sie, die im Glanz verschwundner Tage Einst auf dem Rhein zum Festgelage

Sah fahren schneller Männer Chor. Wir hoben singend aus den Wellen Die viermal hundertjähr'ge Fee; Sie schaute lachend uns Gesellen,

Das Glanzgestad, den blauen See; Sie sah ein Kleinod leuchtend schwenken, Das Horn in Gold und Elfenbein, Wie's reiche Treu nur kann erdenken,

Als gält es, Helden draus zu tränken – Das blitzt' im Julisonnenschein. Sie neigte trinkend sich zum Horne Und wurde jung vom goldnen Schaum;

Begeistert rief die schöne Norne: „Es ist ein Traum und doch kein Traum! So seid ihr Männer von den gleichen, Die ich zusammen einst geführt,

Von jenen mut- und freudereichen, Die da nicht wanken und nicht weichen, Wo keck zu leben sich's gebührt?“ Wohl sind wir andre, doch wir wohnen

Im Haus, das jene aufgebaut; Noch hüten wir die Mauerkronen, Von denen jene ausgeschaut. Wir hoffen, da noch Trauben reifen,

Es jenen Alten nachzutun, Ein gutes Ziel nicht bloß zu streifen, Das Steuer recht und fest zu greifen Und niemals vor der Tat zu ruhn!

Nun stieg ein Eiland aus den Fluten, Da sprang die Freundschaft an den Strand; Wir knüpften neu der Wohlgemuten Im Grünen jedes schmucke Band.

Manch schönes Aug war zu gewahren Im holden Hin- und Widergehn; So mögen noch der Enkel Scharen Die Flut des Lebens froh befahren

Und unsre Städte fortbestehn!

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