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1845

Cyprier

Gottfried Keller

Du Wein der süßen Wonnen, Du heißer Trank der Lust! Willst du erloschne Sonnen, Willst du versunkne Bronnen

Erwecken in der Brust? Was führst du all mein Denken Gen Morgen fern zurück, Die Seele zu versenken,

Die Sinnen mir zu tränken In unermeßnem Glück, Wo grünen Myrtenhainen Der Goldaltar entsteigt,

Sich glühes Widerscheinen Von Rosen an den reinen Marmornen Säulen zeigt! Und Meeresfluten ziehen

Rings einen Zauberbann, Daß nirgends man entfliehen Dem ewigen Glühn und Blühen Der schönsten Liebe kann!

Es rauscht in deinen Güssen, Du roter Inselwein, In deinen Feuerflüssen Ein fabelhaftes Küssen

Zu meinen Lippen ein. Die Heidengöttin neiget Sich geisterhaft mir zu. Ihr rauhen Lieder, schweiget!

In weißen Gliedern steiget Sie aus der Todesruh!

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