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1854

Berliner Pfingsten

Gottfried Keller

Heute sah ich ein Gesicht, Wonnevoll zu deuten: In dem frühen Pfingstenlicht Und beim Glockenläuten

Schritten Weiber drei einher, Feierlich im Gange, Wäscherinnen, fest und schwer! Jede trug 'ne Stange.

Mädchensommerkleider drei Flaggten von den Stangen; Schönre Fahnen, stolz und frei, Als je Krieger schwangen,

Blau und weiß und rot gestreift, Wunderbar beflügelt, Frisch gewaschen und gesteift, Tadellos gebügelt.

Lustig blies der Wind, der Schuft, Lenden auf und Büste, Und von frischer Morgenluft Blähten sich die Brüste!

Und ich sang, als ich gesehn Ferne sie entschweben: Auf und laßt die Fahnen wehn, Schön ist doch das Leben!

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