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1850

Aurelie

Gottfried Keller

Wenn so goldrötlich dunkel Mit schillerndem Gefunkel Dein Haar in Ruhe liegt, In Flechten reich gebunden,

Von Purpurband umwunden Sich an die Wangen schmiegt: Dann ist es uns der Ordnung Bild Und streng gezogner Schranken,

Und wir ergehn uns friedlich mild In zierlichen Gedanken. Doch, wenn in ungebundner Pracht es sich aufgetan,

Dann haucht ein unumwundner Und wilder Geist uns an, Wie wenn von Bergeshöhen Die Feuerzeichen wehen

Und glühn von Tal zu Tal! Die dunkle Flamme flüstert, Die rote Seide knistert, Nun ist dein Haar ein lohes

Und leidenschaftlich frohes Hochwehendes Streitsignal!

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Aurelie · Gottfried Keller · Poetry Cove