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1854

Auf das eidgenössische SchützenfestFußnoten

Gottfried Keller

Im Laube weht der Sommerwind Und über das Halmenmeer, Da naht mit ihrem Festgesind Die Fahne Freudenschwer;

Da wallt das Völklein Wohlgetan, Der Schalk zieht mit dem Biedermann Froh hinter ihr einher. Halt! Steckt das Banner auf den Turm:

Hie Schweizerland zehn Tag, Zehn Tage lang Gemütersturm Und Vaterlandsgelag! Doch in der Brandung lautem Spiel

Sucht still der Schütz sein altes Ziel, Der Schütz vom alten Schlag. Ihr andern aber heuchelt nicht Und gebt euch, wie ihr seid,

Und eh das Herz vor Schweigen bricht, Verkündet euer Leid! Der Weise spreche warm erregt, Der Schwätzer schwatze tief bewegt

In seinem Narrenkleid!. Und zürnt ihr, sei die Hand geballt Von echtem Freundeszorn: Sie öffnet sich, sobald erschallt

Das alte Wunderhorn! Wir dürsten all nach einem Trank Und baden alle, wenn wir krank, Im einen klaren Born!

Die Freiheit gibt sich nicht in Pacht, Sie folgt nicht einem Mann Und hat noch immer den verlacht, Der sie zu fangen sann,

Das einz'ge Weib, dem gut es steht, Wenn es mit tausend Männern geht, Vertraut in Ring und Bann. Die wilden Rosen auf dem Hut,

Läßt sie die Augen gehn; Dann braust verwirrt der Männer Blut, Daß sie sie doppelt sehn. Und wie das Volk im Streite ringt,

Sie ordnend ihre Fahne schwingt Und läßt's im Reihn sich drehn. Nun seid gegrüßet Mann für Mann, Die Festfanfare schallt!

Nun treib es jeder, wie er's kann, Ein Rufer in den Wald! Getrost vergeßt des Tages Not, Bis daß im zehnten Abendrot

Der letzte Schuß verhallt!

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