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1845

An meine Dame

Gottfried Keller

Die in den Sternen strahlt, auf Meeren ruht, Im Schmetterling von Blum' zu Blume schwebt Und heiß aufatmet in des Ätna Glut! Die wagend mit dem Aar zur Sonne strebt,

Die feurig in des Jünglings Adern wallt Und sehnend in der Jungfrau Busen bebt! Von meiner Heimat Bergen freudig schallt, Wie auch im Tal der böse Feind mag toben;

In Deutschlands Eichen leise widerhallt! Die unablässig alle Völker loben Und schmählich doch verraten jeden Tag, Jedoch von Gott getreulich aufgehoben,

Bis dich einst jeglich Herz erfassen mag, O schönste Dame, die ich nicht will nennen, Doch der da zittert meines Blutes Schlag: Ich will vor dir ein Myrtenreis verbrennen,

Ein abgedorrtes aus der Jugendzeit, Dir meinen zarten Morgentraum bekennen! Wem hätt ich besser auch dies Lied geweiht Als dir, du Gotteskind, das man mit Recht

Dem Lieblichsten, den Frauen, angereiht? Nicht weiß ich wahrlich, ob der Fraun Geschlecht Dich zieret oder du ihm Zierde bist: Doch immer bin ich euer beider Knecht,

Und euch vereint mein Lied gesungen ist!

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