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1856

Abschiedslied

Gottfried Keller

Von Berg und grünen Weiden Steigt nieder der Genoß, Und wieder heißt es meiden, Was treue Lieb umschloß!

Die letzten Jugendtage Sind eben nun verrauscht, Mit rauhem Flügelschlage Der Wind ein Segel bauscht.

So geh zu Schiff, Geselle! Und fahre deine Bahn! Das mutige Wehen schwelle Dir alle Segel an!

Doch stet, wie deine Ehre, Und treulich, wie dein Sinn, So tragen dich die Meere Zu der Atlantis hin!

An Weltmeers Silberschäumen, Durch fernes Palmengrün Such nicht in wehem Träumen Der Heimat Firnenglühn!

Doch siehst du bang sich sehnen Verlaßnes Schweizerblut, Da hilf und still die Tränen: Das steht den Schweizern gut!

So schreite fest, umwandre Die Welt an Wundern reich! Kehr einst und find uns andre, Will's Gott, uns selber gleich!

Du kennst die besten Bande, Die Altes binden neu: Bleib treu dem Vaterlande, So bleibst dir selber treu!

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Abschiedslied · Gottfried Keller · Poetry Cove