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1854

Abendregen

Gottfried Keller

Langsam und schimmernd fiel ein Regen, In den die Abendsonne schien; Der Wandrer schritt auf schmalen Wegen Mit düstrer Seele drunter hin.

Er sah die großen Tropfen blinken Im Fallen durch den goldnen Strahl; Er fühlt' es kühl aufs Haupt ihm sinken Und sprach mit schauernd süßer Qual:

„Nun weiß ich, daß ein Regenbogen Sich hoch um meine Stirne zieht, Den auf dem Pfad, so ich gezogen, Die heitre Ferne spielen sieht.

Und die mir hier am nächsten stehen Und wer mich wohl zu kennen meint, Sie können selber doch nicht sehen, Wie er versöhnend ob mir scheint.

So wird, wenn andre Tage kamen, Die sonnig auf dies Heute sehn, Um meinen fernen blassen Namen Des Friedens heller Bogen stehn.“

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