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1854

9

Gottfried Keller

Zu loben ist der Männer kühner Mut, Womit sie ringen mit der heißen Glut, Zu retten, was man irgend retten kann; Doch ist nicht redenswert, was man gewann.

Das Beste ist ein alter Totenkranz, Erinnerung an hohen Jugendglanz, An irgendeinen früh gestorbnen Sohn, An einen längst verhallten Harfenton.

Mit welken Blättern liegt er in der Au, Und auf ihn fällt der milde Maientau; Die blassen Bänder wehn im Morgenwind, Daneben zitternd wacht ein schwaches Kind!

Wie leicht und dürr der alte Kranz mag sein, Man wird ihm wieder eine Stelle weihn Im neuen Bau, hoch an der Stubenwand, Als des Vergangnen letztem welkem Pfand.

Da wird er still aufs junge Leben sehn Und dieses ehrend ihm vorübergehn, Bis auch sein letztes leichtes Blatt zerstiebt Und man den nackten Reif dem Feuer gibt!

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