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1850

7. Biermamsell

Gottfried Keller

Dein Witz geht an, o Schöne mein, Noch eher als dein bayrisch Bier! Jedoch noch besser leuchtet mir Das Blaue deiner Augen ein!

Und besser als dies Flackerlicht Noch dünket mich dein schmal Gesicht, Die runde Schulter, die zierliche Brust Und deiner Hüften schlanke Lust.

An deiner schwarzen Seidentracht Ist jedes Fältchen wohlgemacht; Und immer nobel, witzig nur Verfolgst du deine dunkle Spur.

Bist nie gemein und schimpfest nicht, Wenn dir ein Gast die Treue bricht, Ein Marquis Posa, wie gemalt, Die sieben Seidel nicht bezahlt.

Du siehst nur intressanter aus, Kaum zittern leis Manschett und Kraus; So edelbleich und schmerzenreich Siehst du Marien Stuart gleich.

Getrost nur wandle deine Bahn! Ich kenne manchen ernsten Mann, Des Seelenstaat und Wortgeschmeid Mahnt an dein seidnes Rauschekleid.

Er strebt und ringt und peroriert, Wird edelbleich, wenn er verliert; Um was sich's handelt, scheint es mir, Ist mehr nicht als ein Seidel Bier!

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