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1854

4. Walpurgis

Gottfried Keller

Ich fürcht nicht Gespenster, Keine Hexen und Feen, Und lieb's, in ihre tiefen Glühaugen zu sehn.

Am Wald, in dem grünen Unheimlichen See, Da wohnet ein Nachtweib, Das ist weiß wie der Schnee.

Es haßt meiner Schönheit Unschuldige Zier; Wenn ich nächtlich vorbeigeh, So zankt es mit mir.

Doch der Schein meiner Augen Und das Rot von meinem Mund Verscheuchen das Spukweib Alsbald auf den Grund.

Jüngst, als ich im Mondschein Am Waldwasser stand, Fuhr sie auf ohne Schleier, Ohne alles Gewand!

Es schwammen ihre Glieder In der taghellen Nacht; Der Himmel war trunken Von der höllischen Pracht.

Aber ich hab entblößet Meine lebendige Brust; Da hat sie mit Schande Versinken gemußt!

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