Skip to content
1854

3. Frühgesicht

Gottfried Keller

Es donnert über der Pfaffengaß Des weiland Heil'gen Römischen Reiches Wie Gottes Heerschild jähen Streiches; Der Morgen dämmert rosig blaß.

Und wie der Schlag weithin verhallt, Wogt eine graue Nebelmasse, Als zög ein Heervolk seine Straße, Das auf den Wassern endlos wallt.

Im Zwielicht raget Dom an Dom, An allen Fenstern lauscht's verstohlen; Doch auf gedankenleichten Sohlen Vorüber eilt der Schattenstrom.

Das rauscht und tauschet Hand und Kuß, Der Sturmhauch rührt verjährte Fahnen Wie neues Hoffen, altes Mahnen, Erschauernd wie ein Geistergruß.

Was brav und mannhaft ist, vereint Zieht es, den letzten Streit zu schlagen; Es klirrt zu Fuß, zu Roß und Wagen, Zum Freunde wird der alte Feind,

Und neben Siegfried reitet Hagen.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
3. Frühgesicht · Gottfried Keller · Poetry Cove