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1844

2An einen Freund

Gottfried Keller

Du, der so lang im Herzen mich geborgen Mit allen meinen grämlichen Gebrechen, Mit meinen hastig immer neuen Schwächen, Mit allen meinen wunderlichen Sorgen;

Die Hand verzeihend botest jeden Morgen, Wenn ich die Nacht vorher mit blindem Stechen, Mit ungerechtem, vorwurfsvollem Sprechen Dir schnitt ins Herz, so treu und unverborgen:

Nicht um zu spähn nach Tadel oder Lobe, Will ich dir diese Lieder übersenden, Die zagend unter meiner Hand verblassen! Nein, nur zur letzten, schweren Freundesprobe:

Ich muß mich gegen deinen Glauben wenden – Wirst du mich darum endlich doch verlassen?

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