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1854

2. Konditor und Poet

Gottfried Keller

Kennt ihr den Kleinkinderhimmel, Wo als Gott der Zuckerbäcker Waltet süß und hoch und herrlich In den Augen kleiner Schlecker?

O zur Weihnachtszeit, wie flimmert, Duftet es rings an den Wänden! Welchen Schatz von Herrlichkeiten Schüttet er aus vollen Händen!

Läßt erblühen süße Blumen, Weise streut er die Gewürze; Schön stehn ihm die hohe, weiße Zipfelmütze, Wams und Schürze.

Doch wonach die guten Kinder Schmachtend vor dem Laden stehen, Muß dem Reichen, Allgewalt'gen Reizlos durch die Hände gehen!

Kaum einmal des Jahres ißt er, Aus Zerstreuung in dem Handel, Flüchtig eine Zuckererbse Und verächtlich eine Mandel.

Aber auch den andern Himmel, Den der Poesie, wohl kennt ihr, Der sich mit der Maizeit öffnet, Drin den Dichter König nennt ihr!

Zipfelmütze, weiße Schürze, O wie nüchtern glänzet ihr! Und wie mahnt ihr mich an weißes Reinliches Konzeptpapier!

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