Skip to content
1854

12. Kunigunde

Gottfried Keller

Das Köhlerweib ist trunken Und singt im Wald; Hört ihr, wie ihre Stimme Im Grünen hallt?

Ruht auf der roten Nase Der Abendstrahl: Glüht sie, wie wilde Rosen Im dunklen Tal.

Sie war die feinste Blume, Berühmt im Land; Es warben Reich' und Arme Um ihre Hand.

Sie trat in Gürtelketten So stolz einher; Den Bräutigam zu wählen Fiel ihr zu schwer!

Da hat sie überlistet Der rote Wein – Wie müssen alle Dinge Vergänglich sein!

Das Köhlerweib ist trunken Und singt im Wald; Wie durch die Dämmrung gellend Ihr Lied erschallt!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
12. Kunigunde · Gottfried Keller · Poetry Cove