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1854

11. Das rote Bärbchen

Gottfried Keller

Wandl' ich in dem Morgentau Durch die dufterfüllte Au, Muß ich schämen mich so sehr Vor den Blümlein rings umher!

Täublein auf dem Kirchendach, Fischlein in dem Mühlenbach Und das Schlänglein still im Kraut: Alles nennt und fühlt sich Braut!

Apfelblüt im lichten Schein Dünkt sich stolz ein Mütterlein, Dieweil schon mit linder Wucht Ihr im Schoße keimt die Frucht.

Gott! was hab ich denn getan, Daß ich ohne Lenzgespan, Ohne einen süßen Kuß Ungeliebet sterben muß?

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