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1854

10. Verbogen und zerkniffen war

Gottfried Keller

Verbogen und zerkniffen war der vordre Rand an meinem Hut, Und rötlich färbte er sich auch, wie es des Trinkers Nase tut; Und wenn ich auf der Straße ging, so fiel ich in der Spötter Schlingen; Das füllte mich mit Ärger, der Chapeau war doch im ganzen gut.

Drum dreht ich ihn, bis hinter mir des Würdigen gelähmte Schwingen, Und, vorn den wohlerhaltnen Rand, trat ich einher mit frischem Mut. Doch weh! an meinem Rücken nun die tausend schlimmen Augen hingen, Ich hörte zischeln hinter mir, und in den Kopf stieg mir das Blut

Und zwang mich, den verdammten Filz flugs wieder vorn herum zu bringen, Denn lieber vor als hinter mir mag ich der Tadler stille Wut. In seinen Schatten neige dich, Schlußton von allem meinem Singen, Mein treues Lieb, und tröste mich mit deiner Lippen süßer Glut!

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