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1854

1

Gottfried Keller

Du, der so lang im Herzen mich geborgen, Mit allen meinen grämlichen Gebrechen, Mit meinen hastig immer neuen Schwächen, Mit allen meinen wunderlichen Sorgen;

Die Hand vergessend botest jeden Morgen, Wenn ich die Nacht vorher mit blindem Stechen, Mit ungerechtem oder bittrem Sprechen Dir schnitt ins Herz, so treu und unverborgen;

Nicht um zu spähn nach Tadel oder Lobe, Will ich dir diese Lieder übersenden, Eh unsre Jugendtage ganz erblassen: Nein, nur zur letzten schwersten Freundesprobe!

Ich muß mich gegen deinen Glauben wenden – Wirst du mich darum endlich doch verlassen?

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