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1849

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Gottfried Keller

Ich hab in kalten Wintertagen, In dunkler, hoffnungsarmer Zeit Ganz aus dem Sinne dich geschlagen, O Trugbild der Unsterblichkeit.

Nun, da der Sommer glüht und glänzet, Nun seh ich, daß ich wohlgetan! Aufs neu hab ich das Haupt bekränzet, Im Grabe aber ruht der Wahn.

Ich fahre auf dem klaren Strome, Er rinnt mir kühlend durch die Hand, Ich schau hinauf zum blauen Dome Und such – kein beßres Vaterland.

Nun erst versteh ich, die da blühet, O Lilie, deinen stillen Gruß: Ich weiß, wie sehr das Herz auch glühet, Daß ich wie du vergehen muß!

Seid mir gegrüßt, ihr holden Rosen, In eures Daseins flücht'gem Glück! Ich wende mich vom Schrankenlosen Zu eurer Anmut froh zurück!

Zu glühn, zu blühn und ganz zu leben, Das lehret euer Duft und Schein, Und willig dann sich hinzugeben Dem ewigen Nimmerwiedersein!

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