Derselbe Flügelschlag der Zeit, der sachte Hyperion durch bewegte Lüfte trug, Ließ Thea mit Saturn den Ort erreichen, Wo Cybele und die Titanen murrten.
Kein Lichtschein konnte ihre Tränen treffen In jener Höhle, wo sein eignes Grollen Ein Jeder fühlte, doch nicht hören konnte; Denn donnernd brüllten nahe Wasserstürze
Und gossen ewig neue Mengen aus. Block griff empor zu Block, und Felsen schienen Wie aufgeschreckt aus langem fernem Schlaf Eng Stirn an Stirn und Horn an Horn zu pressen
Und schufen so in tausend Traumgebilden Dem Klagenest ein seltsam düstres Dach. Sie saßen nicht auf Thronen; harter Kiesel Und zottiger Stein und spitzer Schiefergrat,
Den Eisen härtete, gab ihnen Lager. Nicht alle waren da, denn manche rangen In Kettenbanden, manche schweiften weit. Cocus und Gyges und Briareus,
Typhon und Dolor und Porphyrion Und viele mehr, die Sehnigsten im Kampfe, Sie waren eingepfercht zu Not und Mühn, In dunkle Elemente eingekerkert,
Wo sich verbissner Mund nicht öffnen durfte Und festgeschlossne Glieder reglos drohten, Gepreßt, gekrampft, wie Adern von Metall. Nur ihre großen Herzen keuchten Qual
Und pulsten fiebernd auf in blutiger Not. Es schweifte Mnemosyne durch die Welt Und Phoebe weilte ihrem Monde fern. Und viele andre waren frei zu wandern –
Die meisten aber suchten hier den Schutz. Wie leblos lagen sie: Druidenblöcke, Die auf verlassnem Moor in Runde stehn Wenn Abend dunkelt und der kühle Regen,
Novemberregen fällt in ihre Gruft, Der Himmel selbst in Nacht erblindet ist. Verschlossen lag ein Jeder, gab dem Nächsten Nicht Wort noch Blick, noch Zeichen der Verzweiflung.
Creus war einer; mächtiger Eisenhammer Lag neben ihm, und ein zersprungner Fels Gab Bild von seiner Wut, eh daß er sank. Iäpetus ein andrer. Seine Faust
Umspannte schleimigen Schlangenhals; gespalten Quoll aus der Gurgel gierig lange Zunge, Und steif und tot lag sie und nicht gerollt Und konnte dem Erobrer Jupiter
Nun nicht ihr Gift ins kecke Auge spritzen. Dann Cottus, auf der Erde das Gesicht, Kinn aufgereckt als wie in Schmerz, denn noch Schlug er den Schädel wütend an den Stein
Mit offnem Mund und furchtbar wilden Blicken. Nächst ihm Asia. Caf, die ungeheure, Gebar sie, die, ein Weib, der Mutter Tellus Mehr Weh gemacht als einer ihrer Söhne.
Nicht Leid, – Verträumtheit lag in ihrem Blick, Denn Ruhm und Ehre ahnte sie voraus. Vor ihren weiten Seheraugen standen Palmschattige Tempel, ragende Altäre,
Am Oxus und auf heiligen Gangesinseln. Wie Hoffnung sich auf ihren Anker stützt, Doch nicht so schön, so lehnte sie am Stoßzahn, Der ihrem größten Elefant genommen.
Auf zackigem Klippenrande über ihr, Den Arm gestützt und lang am Boden liegend, Düstrer Enceladus; einst zahm und mild, Wie friedlich grasend Rind auf grüner Wiese,
Jetzt tigerwild und löwenlauernd, plante Und raste er und warf Felsblöcke auf In jenen Kampf, daß scheu die jungen Götter In Tiergestalt sich zu verbergen suchten.
Nicht ferne Atlas; neben ihn gestreckt Lag Phorkus, der Gorgonen Herr. Und enge Beisammen Thetis und Oceanus. In Thetis Schoß gebettet lag Clymene
Und schluchzte ruhlos in ihr schönes Haar Inmitten aller Themis, eng zu Füßen Von Ops, der Königin, die ganz umwölkt, Den Blicken unsichtbar – noch mehr; als wenn
Aus Wolken und aus Fichtenwipfeln Nacht Ein Ganzes macht – und viele andre hoch. Ihr Name sei verschwiegen, denn wenn Muse Die Schwingen hebt, wer hindert ihren Flug?
Und von Saturn und seiner Führerin Muß nun sie singen, die mit nassem Fuß Aus Tiefen kamen, die noch grauenvoller. Ob düstern Felsen ragte beider Haupt,
Und die Gestalten wuchsen, bis ihr Schritt Auf ebnem Boden endlich Ruhe fand. Da reckte Thea bebend ihre Arme Hin über dieses Nest des großen Leids
Und seitwärts sah sie in Saturns Gesicht: Hier flammte harter Kampf. Der große Gott Rang schwer mit Gram und Schwäche, Furcht und Wut, Besorgnis, Mitleid, Reue und Verzweiflung.
Vergeblich stritt er gegen diese Plagen, Denn Schicksal hatte tödlich schwächend Gift Ihm übers Haupt gegossen, so daß Thea Erschreckt zur Seite wich und ihn als ersten
Eintreten ließ zu der gefallnen Horde. Wie Sterblichen das schwerbeladne Herz Noch mehr in bangem Druck und Qualen fiebert, Wenn es dem trauervollen Haus sich nähert,
Wo andre Herzen gleicher Schmerz gebrochen, Befiel Saturn, der zu den andern trat, Ein Ohnmachtweh, das fast ihn niederwarf. Da aber traf sein Blick Enceladus,
Des Auge machtvoll, doch in Ehrfurcht flammte Und alle Kräfte hob; und laut erscholl Sein Wort: „Titanen, blickt auf euren Gott!“ Da grollten manche Antwort, manche sprangen
Erwacht empor, und manche schrien laut. Und manche weinten, andre klagten schwer, Und alle neigten sich in Ehrerbietung. Und Ops hob ihren schwarzen Schleier auf,
Ließ bleiche Wangen, müde Stirne sehn, Schwarzdünne Augenbraun und hohle Augen. – Ein Raunen weht durch kalte Fichtenstämme, Wenn Winter seine Stimme hebt; ein Raunen
Durcheilt die Ewigen, wenn ein Gott den Finger Verwarnend hebt, zum Zeichen, daß ihm nun Die volle Wucht urmächtiger Gedanken Mit Donner und Musik vom Munde komme.
Solch Raunen ist wie Rauschen kalter Fichten, Dem, wenn es in der Bergeswelt verstummt, Kein andrer Laut mehr folgt. Doch hier bei diesen Gefallnen hob Saturnens Wort sich nun
Wie Orgel, die ihr Tönen neu beginnt, Wenn andre Harmonien, schnell verstummt, Die Luft in Schwingungen zurückgelassen. So hob es an: – „Nicht in der eignen Brust,
Die selbst ihr Richter und Erforscher ist, Find ich den Grund, weshalb ihr also seid; Nicht in Legenden von urerstem Tage Aus jenem Buch, drin Weisheit jedes Blatt,
Das sterniger Uranus mit hellem Finger Vom Meeresstrand der Finsternis gerettet, Du Ebbewogen es in Dunkel bargen, Aus jenem Buch, das immer, wie ihr wißt,
Als sichre Fußbank mir gedient: – wahrhaftig, Nicht dort und nicht in Zeichen noch Symbol, Noch Warnungsbild in Erde, Wasser, Luft Und Feuer, Krieg und Frieden oder Streit
Des einen Elementes gegen andres, Noch auch im Streit von dreien oder allen, Noch auch wenn eines gegen dreie steht, Wenn Luft und Feuer miteinander zanken,
Wenn Regen sie in Wasserflut ertränkt Und beide ans Gesicht der Erde preßt, Wo, Schwefel findend, vierfach Ungestüm Das arme Weltall aus den Angeln hebt;
In jenem Kampfe nicht, aus dem ich Kunde Seltsamer Weisheit tief verstehend lese, Find ich den Grund, weshalb ihr also seid. Enträtseln kann ich nicht – wie sehr ich suche
Im ungeheuren Buche der Natur, Bis Schwindel mich erfaßt – weshalb ihr Götter, Ihr Erstgebornen von Gestalt und Form, Euch beugen solltet unter eine Macht,
Die, euch verglichen, nur erbärmlich ist. Da seid ihr dennoch! Überwunden, siech, Verachtet und geschlagen seid ihr hier! Titanen! soll ich sagen: Auf! – Ihr grollt.
Ich sage: Nieder! – Ah, ihr grollt! – Was also? O weiter Himmel, lieber ferner Vater! Was kann ich? Sagt mir, all ihr hehren Brüder, Wie kämpfen wir, wie formen wir die Schlacht?
O sprecht jetzt Rat! Saturnens Ohr verlangt Nach euerm Wort. Oceanus, nun rede, Du grübelst tief, und staunend sieht mein Auge In deinem Antlitz jenen sanften Ernst,
Den klares Denken breitet. Gib uns Hilfe!“ So endete Saturn. Der Gott der Meere, Sophist und Weiser, zwar nicht von Athen, Vielmehr ein Denker tief in Wassergrotten,
Stand auf, mit trocknen Locken, und begann In schweren Lauten, die wie Brandung brausten: „O ihr, die Wut verzehrt, die Leid zermartert! Die ihr Vernichtung fürchtend Kummer pflegt!
Verschließt die Sinne, schließet eure Ohren, Mein Wort ist nicht wie Blasebalg für Zorn. Doch die ihr wollt, hört zu, wie ich beweise, Daß ihr zu beugen euch gezwungen seid.
Und viel an Tröstung bietet mein Beweis, Wenn wir des Trostes Wahrheit ganz erfassen. Naturgesetz ist Ursach unsres Sturzes, Nicht Jupiter und auch nicht Donnerkraft.
Saturn, erhabner Gott, wohl forschtest du In jede Einzelheit dem Weltall nach, Doch weil du König bist, warst du auch blind Aus Überlegenheit, und eine Straße
War deinem Blick verborgen, eine Straße, Auf der ich selbst zur ewigen Wahrheit kam. Und höre erstens: wie du nicht die erste Der Mächte warst, bist du auch nicht die letzte;
Du bist der Anfang nicht und nicht das Ende. Aus Dunkelheit und Chaos kam das Licht, Aus jenen Früchten innerlichen Aufruhrs, Der finstern Gärung, die zu fernen Zielen
Hinreifte. Und die reife Stunde kam, Und mit ihr Licht und Licht, das mit dem eignen Erzeuger weiter zeugte und fortan Ins Leben rief unendliche Materie.
Seit jener Stunde ward es offenbar, Daß Erd und Himmel nah Verwandte sind. Denn du der Erstgeborene, und wir, die Riesen, Regierten neue schöne Reiche nun.
Jetzt kommt der Wahrheit Schmerz – wenn's Schmerz bedeutet. O Narrheit! Denn die nackte Wahrheit tragen Und dem Ereignis still ins Antlitz sehn, Das ist die höchste Hoheit. Merket wohl!
Wie Erd und Himmel viel, viel schöner sind, Als Dunkelheit und Chaos, und wie wir Dem Himmel und der Erde weit entragen, In Wuchs und in Gestaltung fest und schön,
In Willen, Tun und Kameradschaft frei, Und tausend andern Zeichen reinen Lebens, So folgt Vollkommneres uns auf dem Fuße, In Schönheit stärker und von uns geboren,
Bestimmt, emporzuwachsen über uns, Wie wir das alte Dunkel überragen. Und mehr nicht sind von ihnen wir besiegt, Als einst durch uns das formenlose Chaos.
Sagt, streitet denn die träge Erde mit Den stolzen Wäldern, die sie großgefüttert Und heut noch füttert – besser als sich selbst? Kann sie die Hoheit grüner Haine leugnen?
Und soll der Baum die Taube wohl beneiden, Weil sie mit weißen Schwingen wandern kann, Wohin sie will, und gurren kann in Lust? Wir sind so Waldesbäume. Unsre Knospen,
Sie sprangen auf; doch keine bleichen Tauben, Nein, goldne Adler brachten sie zur Welt, Die über uns in heller Schönheit schweben Und darum herrschen müssen; denn Gesetz
Ist dieses: Schönstem sei die Macht! Wahrhaftig! Durch dies Gesetz mag späteres Geschlecht Die Sieger über uns in Nöte bringen. Habt ihr den jungen Meeresgott gesehn?
Ihn, der mich stürzte? Saht ihr sein Gesicht? Den Wagen, den durch Schaum und Wogen zogen Beschwingte Wesen, die er selbst sich schuf? Ich sah ihn durch die sanften Wasser gleiten,
Mit solchem Schönheitsglanz in seinen Augen, Daß ich von meinem Reiche Abschied nahm, In Trauer schied und hierher kam, zu sehen, Wie Schmerzgeschick euch drückte und wie Trost
Ich fände für dies furchtbar große Weh. Nehmt hin die Wahrheit, laßt sie Balsam sein.“ Ob sie, als nun Oceanus geendet, Das Schweigen wahrten aus Ergriffenheit,
Aus Hochmut, kann kein tiefstes Denken wissen. Doch war es so: nicht einer schenkte Antwort; Nur sie, die Unbeachtetste, Clymene. Doch kein Entgegnen war's, nur sanfte Klage
Mit Fiebermund und tränenmildem Blick, Die schüchtern in der andern Grimm sich wagte: „O Vater, ich bin hier die schwächste Stimme, Und all mein Wissen ist, daß Lust entfloh
Und dieses Leid in unsre Herzen kroch, Für immer dort zu bleiben, wie ich fürchte. Ich würde nicht von Unglück prophezeihn, Dächt' ich, ein arm Geschöpf wie ich vermöchte
Die Hilfe abzuwenden, die nach Recht Uns kommen sollte von den höchsten Göttern. Doch laß mich meinen Kummer sagen, – sagen, Wovon ich hörte, was mich weinen machte,
Mir Wissen gab, daß alle Hoffnung fern. Ich stand an einem anmutvollen Ufer, Wo süßer Atem einer Gegend wehte, Die Duft und Ruhe, Baum und Blumen hatte,
Voll stiller Freude war, wie ich voll Leid, – Zu voll von Lust und selig sanfter Wärme, Sodaß mein Herz Verlangen trug zu schelten Und jene Einsamkeit mit Klageliedern,
Mit Sang von unsren Schmerzen tief zu schmähn.“ Ich setzte mich und nahm geklaffte Muschel Und sprach hinein und machte Melodie – O Melodie nie mehr! Denn als ich sang
Und wenig kunstvoll in die Lüfte blies Der dumpfen Muschel Echo, kam von drüben, Von grünbebuschtem Inselland im Meer, Ein Zauber mit den Winden hergetrieben,
Der mich betäubte und doch wach erhielt. Ich warf die Muschel fort in Sand, und Flut Verschlang sie, wie mein Sinn verschlungen ward Von jener neuen goldnen Melodie.
Lebendiger Tod erfüllte diese Klänge Und jeden Ton und wonnigen Akkord, Der eilig lief, in neuen Klang verschmolz, Wie Perlentropfen, die von Fäden fallen.
Und immer wieder folgten andre Töne – Wie Tauben, die den Ölbaumzweig verlassen, Musik statt Federn in den leichten Schwingen – Mich zu umflattern und mich krank zu machen
Mit Lust und Leid in einem Atemzug! Leid überwog. Ich hielt die Ohren zu, Doch trotz des Schutzes angstverwirrter Hände Kam ach wie süße Stimme zu mir her,
Viel süßer noch als Sang erklang's: „Apollo! Apollo, jung und morgenhell und jung!“ „O Vater und o Brüder, hättet ihr Gefühlt, was ich da litt, hätt'st du's, Saturn,
Gefühlt, ihr würdet den demütigen Mund Nicht schelten, daß er sucht, gehört zu werden.“ So floß ihr Wort dahin wie schüchtern Bächlein, Das sachte sich durch Kieselufer schlängelt
Und die Begegnung mit dem Meere fürchtet. Doch Meer-Begegnung kam und ließ es schaudern: Gewaltig hob Enceladus die Stimme Und schlang es ein in Wut. Die Silben rollten
Gleich dumpfen Wogen in durchspülten Höhlen Der Klippenfelsen tosend ihm vom Mund, Indes er lässig aufgestützt in Trotz Noch immer lang auf Felsenplatte lag:
„Wem schenken wir Gehör – dem überweisen, Dem überdummen dieser Riesen, Götter? Nicht Donnerschlag auf Donnerschlag, bis jener Rebell sein Waffenzeug verschleudert hätte,
Nicht Welt um Welt auf meinen Schultern könnte Mich bittrer peinigen als Kinderworte In Not und Jammer dieses Schreckensturzes. So sprecht doch, brüllt, ihr schläfrigen Titanen!
Vergaßt die Schläge ihr, den frechen Stoß? Hat nicht ein Jünglingsarm euch umgeworfen? Vergißt du, Herr der Wogen, deinen Sturm? – Ha! Hab ich mit so wenig schlichten Worten
Schon euern Groll geweckt? O Freude, Freude! Jetzt seh ich, daß ihr nicht verloren seid. Jetzt seh ich tausend Augen Rache glühen!“ Als er das sagte, stand er ragend auf,
Und ungehindert fuhr er also fort: „Jetzt, da ihr Flamme seid, will ich euch lehren, Der Feinde Äther gründlich durchzuläutern, Des Feuers Zackenstachel recht zu lenken
Und Jupiters Gewölke wegzusengen, Den Schwachen in sein Zelt zurückzuscheuchen. O laßt ihn fühlen, was er Übles tat! Veracht' ich gleich Oceanus' Gerede,
Trag ich doch Leid um mehr als nur Verlust Von Reichen. Fort ist Friede, fort die Ruhe Stillsanfter Tage, denen Kämpfe fremd, Da jede schöne Wesenheit des Himmels
Mit offnen Augen nahte, um zu lauschen, Das war, eh unsre Stirn das Runzeln lernte, Eh unsre Lippen andre Laute kannten Als feierlichen Klang; war, eh wir wußten,
Daß Sieg, dies Flügelding, verloren gehn, Gewonnen werden könne. Und bedenkt, Hyperion, strahlendster von unsern Brüdern, Er ist noch ungekränkt – Hyperion, oh!
Sein Strahl, sein Glanz und Strahl ist hier bei uns!“ Sie blickten alle auf Enceladus Und sahn, indes von seinen Lippen noch Hyperions Name an die Felsen hallte,
Ein blasses Leuchten auf den strengen Zügen, Die nicht mehr wild; sah er doch manchen Gott Gleich ihm in Glut. Er blickte auf sie alle Und fand in jedem Antlitz hell ein Licht;
Und leuchtender als alle stand Saturn, Die greisen Locken schimmerten wie Schaum Um blanken Kiel, der nachts den Hafen sucht. In silberblassem Schweigen harrten sie,
Bis morgenhellster Glanz die steilen Hänge. Die dunklen Klüfte der Vergessenheit Und jede Schlucht und jede Felsenspalte Und jede Höhe und erschreckte Tiefe,
Durch die mit heiserm Schrei sich Ströme quälten, Und all die ewigwilden Katarakte Und nah und fern die kopflos hastigen Bäche, Zuvor in schweren Schatten eingedunkelt,
Mit grauenhafter Helligkeit durchdrang. Es war Hyperion. – Ein granitner Gipfel Bot seinen heilen Füßen Platz zur Ruhe. Da stand er und beschaute Not und Jammer
Und Graun und Schauder, die sein Glanz enthüllt, – Sein Haar wie Gold, numidisch kurze Locken, Von königlicher Hoheit die Gestalt, Die, riesiger Schatten, stand im eignen Licht
Wie Memnons Leib bei Sonnenuntergang, Wenn ihm aus dunklem Ost ein Wandrer naht. Auch Seufzer, trauervoll wie Memnons Klage, Entflogen ihm; er preßte beide Hände
In Leid zusammen, mitten in dem Schweigen. Verzagtheit faßte wiederum die Götter, Als sie den Herrn des Tags so mutlos sahn, Und viele wandten ihren Blick vom Licht.
Enceladus, der Feurige, doch sandte Das glühe Auge zu den Brüdern hin. Auf stand Iäpetus und Creus auch Und Phorcus, und zusammen schritten sie
Zum Felsen hin, wo jener turmgleich ragte. Dort riefen laut die vier Saturn bei Namen: Hyperion rief vom Gipfel hell: „Saturn!“ Saturn saß nahe bei der Göttermutter,
In deren Antlitz keine Freude war, Obgleich die Götter all aus dumpfen Kehlen „Saturn!“ und wieder diesen Namen riefen.
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