Skip to content
1765

Jupiter und sein Adler

Anna Louisa Karsch

Freund! des Olympus Götter leerten Jüngst ihre Nektarschaalen nicht, Sie ließen sich herab und hörten, Auf Wolken lauschend, Dein Gedicht.

Die Wonnelächelnde Cythere Trat zur Olympia, und sprach: Welch Sterblicher singt mir zur Ehre So lieblich dem Apollo nach?

Wie einst Homer ihm nachgesungen, Als er des Donnergottes Trieb Und neue süße Schmeichelungen Und meines Gürtels Macht beschrieb?

So sagte Venus, und die große Verfolgerinn des Herkuls schwieg, Als von des Wolkenlenkers Schooße Selbst Ganimed zur Erde stieg;

Und selbst der Adler von dem Sitze Des Gottes sich erhub, und kühn Zurückwarf die getragnen Blitze, Und auf dem Haine vor Berlin

Sein ewig glänzendes Gefieder, Indem er horchte, niedersank, Und Jupiter ihm rief: Komm wieder! Und bringe mir zum Göttertrank.

Das goldne Trinkgefäß, und bringe Des Dichters Lied darin gelegt, Daß der Latona Sohn es singe, Wenn er vor uns die Cyther schlägt;

Und trag in deiner rechten Klaue Der Berenice Locke, die Ich dir auf immer anvertraue; Statt meiner Blitze führe sie!

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Jupiter und sein Adler · Anna Louisa Karsch · Poetry Cove