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1722–1791

Ein Gebet an den Mars.

Anna Louisa Karsch

Du Gott des Krieges, laß die Erde! Dein Schritt, mit Blut bemerkt, ist fürchterlich, ist schwer, Verändre doch die schreckliche Gebärde,

Und schüttle länger nicht den Speer. Dein wartet der Olymp, und Amor mit dem Bogen Lauscht an der Mutter Fuß. Steig von des Mordens Bahn

Zur Göttin; dann betrüg’ den schlafenden Vulkan, Wie er vor Zeiten ward betrogen. Von Waffenschmieden ist er matt, Wie Venus, die nach dir sechs Jahr geschmachtet hat.

Wie reizend liegt sie da im Elisäer Lenze! Die Nymphe windet dir und Venus Mirtenkränze, Mit Blumen untermengt. Schon gießt sie Nectartrank In goldne Schaalen ein; und wenn auch Götter

krank Für heißer Sehnsucht sind, so ist’s gewiß Cythere! Horch im Getümmel auf, sie seufzet göttlich, höre! Begieb vom Kampfplatz dich zurück,

Geharnischt wie du bist, an Haupt, an Arm und Fuße. Cupido zieht dich aus, und deinem ersten Kusse Dankt unsre ganze Welt ihr Glück.

Der Zorn in einer Frau rief, Mavors, dich hernieder, Die Sehnsucht einer Frau hol’ dich den Göttern wieder, Und ewig komm’ uns nicht zurück.

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