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1766

Der sichere Fromme

Anna Louisa Karsch

Wer nie der sonnenhellen Wahrheit widerstrebt Und stets in unveränderlicher Rechtschaffenheit und Tugend lebt, Derselbe Mensch lebt sicher.

Es mögen über ihm die Himmel, und umher Die feuerschwangern Berge krachen, Es mag das ausgerißne Meer Noch eine Sündfluth machen;

Der Sturmwind tobe, daß der tausendjährge Wald Und selbst die Felsen niedersinken; Das Erdreich berste Spalt an Spalt Zur Rechten und zur Linken;

Der Seuchen fliegend Gift und das gefräßge Schwert Des Krieges, mögen plötzlich kommen: Das Schrecken und die Zagheit fährt Nicht in die Brust des Frommen,

Denn ihn beschützet, stärket, muntert und erhält Gott, der des Christen Werke zählet, Wenn ihm der Beyfall einer Welt Bey seiner Tugend fehlet.

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Der sichere Fromme · Anna Louisa Karsch · Poetry Cove