Skip to content
1722–1791

An die Frau Doktorin M.

Anna Louisa Karsch

Frau, der das Leben niemals bitter Bey irgend einem Zufall ist: Die Du die Zärtlichste der Mütter Und der Gattinnen wärmste bist;

Und in Entzückung aller Sinnen Umarmest den geliebten Mann, Und sprichst: Ihr Lebensspinnerinnen, Fangt seinen Faden täglich an —

O Freundin! hilf mir deine Freuden Vertheidigen in einer Welt, Wo man nicht glaubt, daß zum Beneiden Dein Glücke Glanz genug enthält.

Mein Freund, ein Schüler von Apollen, Ein Meister in der Homelie, Glaubt, daß die Tauben küssen wollen Aus Zärtlichkeit und Harmonie.

Nur warme Busen ältrer Ehen, Als die der Hochzeitmonath sieht, Die setzt er in das Reich der Feen In ein Ovidianisch Lied.

Und in die nie vorhandnen Staaten Des Plato, der im hohen Styl Den Jünglingen weis anzurathen Ein leeres geistiges Gefühl.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.